Barfüßiges Training ist unhygienisch!

Karate fightErst unlängst hatte ich mich mit einer Physiotherapeutin unterhalten, die der Meinung war, Sportschuhe seien unbedingt notwendig, um vernünftig üben zu können. Auf meinen Einwand, dass doch barfüßig ein viel besseres Bodengefühl gewährleistet sei, entgegnete sie, dass barfüßiges Trainieren in höchstem Maße unhygienisch sei. Nun gut, darüber hatte ich bisher noch gar nicht so sehr nachgedacht. Doch diese Äußerung ließ mir keine Ruhe und so habe ich dann doch das in vielen Kampfsportarten übliche barfüßige Trainieren etwas intensiver überdacht. Tatsache ist, dass seitdem ich vor nunmehr 26 Jahren mit dem Kampfsporttraining angefangen habe, immer barfuß trainierte. Tatsächlich kam mir dies am Anfang etwas komisch vor, war ich doch von allen anderen Sportarten immer nur gewöhnt, die jeweilige Sportart mit passendem Schuhwerk, also Turnschuhen, Laufschuhen usw. auszuüben. Insofern war das Kampfsporttraining dann doch etwas merkwürdiges … barfuß … Aber da alle barfuß trainierten, war das wiederum völlig normal und kein Grund sich den Kopf zu zerbrechen. Gerade als Anfänger, manchmal aber auch in Turnhallen mit einem besonders schlechtem Parkett habe ich des öfteren gedacht, dass Turnschuhe im Training doch so manche Blase, so manchen aufgerissenen Fuß hätten vermeiden helfen können … Aber irgendwann hatte ich mich dann an die kleinen Nachteile des barfüßigen Trainings gewöhnt. Nur im Winter, wenn die Hallen wieder einmal ungeheißt waren und die Füße vor Kälte am Boden festzufrieren schienen, habe ich mir doch noch hin und wieder insgeheim die Turnschuhe zurückgewünscht. Wie dem auch sei – über die Hygiene habe ich in der Tat nie wirklich nachgedacht. Doch das Argument hat etwas für sich. Den Füßen haften nun einmal Keime an und wenn alle barfüßig durch die Halle laufen, so verteilen sich die Keime durchaus rasch auf alle Teilnehmer, ähnlich einem Türgriff der ebenso die Keime an all jene weitergibt, die den Griff anfassen. Soweit die Hautbarriere intakt ist, ist das Risiko der Übertragung von Keimen – vorausgesetzt es wird auf Hygiene geachtet – beim barfüßigen Trainieren wohl kaum höher als beim Berühren des besagten Türgriffs. Andererseits kommt es immer wieder zu Verletzungen im Fußbereich. Nägel werden eingerissen, die Haut zwischen den Zehen reißt, Blasen gehen auf … Diese kleinen Verletzungen können Krankheitskeimen machen die Hautbarriere auf jeden Fall durchlässig und damit den Körper empfänglicher für die Übertragung von Infektionen. So gesehen: Ja, das barfüßige Trainieren ist in der Tat unhygienisch. Aber andererseits darf man sich auch die Frage stellen, warum barfüßig trainiert wird, welche Vorteile ein Training ohne Schuhwerk hat. Zum einen natürlich ist das barfüßige Trainieren Tradition. In Asien, von wo die meisten Kampfsportarten stammen, wurde schon immer barfuß trainiert. Insofern wurde diese Form des Trainierens ebenso wie die Kleidung übernommen und gar nicht erst in Frage gestellt. In Japan und anderen asiatischen Ländern werden die Wohnräume nicht mit Schuhen betreten. Entweder läuft man dort barfüßig oder in Socken umher. Trainiert wurde vielfach im Inneren von Gebäuden, so dass es sich ganz von selbst ergab, dass die Trainierenden keine Schuhe trugen. Doch auch beim Training draußen dürfte sich das Training mit Schuhwerk als wenig vorteilhaft erwiesen haben. Nehmen wir Japan, wo üblicherweise Holzsandalen (Geta) oder Reisstrohsandalen (Zori) getragen wurden. Auf Geta (Holzsandalen mit zwei Querstegen unter der Sohle) zu laufen ist gar nicht so einfach. Noch schwieriger ist es, das Gleichgewicht zu halten oder sich rasch zu bewegen. Zori wiederum neigen dem Material geschuldet dazu, rasch abzunutzen, wenn der Fuß über den Boden schleift. Es war also so betrachtet zum einen ein schwieriges Unterfangen in Schuhen zu trainieren und zum anderen auch ein kostspieliges Vergnügen, sich nach jedem Training neue Schuhe beschaffen zu müssen. Was lag also näher, als auch im Außenbereich barfuß zu trainieren? Das barfüßige Trainieren hat zudem einen nicht zu unterschätzenden Vorteil. Dadurch dass sich die Haut der Füße in direktem Kontakt zum Boden befindet, vermag der Fuß auch kleinste Unebenheiten zu erspüren. Dies wiederum ermöglicht es dem Körper, sich bestmöglich auf die verschiedenen Untergründe einzustellen und diese ggf. auch zum eigenen Vorteil zu nutzen. Nicht wenige Fußtechniken leben davon, dass der Fuß die volle Bewegungsfreiheit hat, die ein Schuh doch erheblich wenn nicht sogar gänzlich einschränken würde. So können die Zehen genutzt werden, um sich besser abzudrücken oder besseren Halt am Boden zu finden, die Veränderung der Zehen- und Fußstellung wiederum erlaubt es, die Verletzungsgefahr bei der Ausführung von Techniken zu reduzieren und zugleich die Technik kraftvoller und effizienter auszuführen. Nicht vergessen werden darf aber auch, dass Schuhwerk durchaus auch ein gewisses Verletzungspotential birgt und zwar sowohl für den Träger selbst als auch für seinen Partner. Ich selbst habe die Erfahrung gemacht, dass ich mir in Schuhen den Knöchel unzählige Male verstaucht habe. Beim barfüßigen Trainieren ist mir dies aber noch nie passiert. Nehmen wir Judo oder Karate, wo die Füße intensiv eingesetzt werden … Ein beschuhter Fuß würde für den Partner ein nicht unerhebliches Verletzungsrisiko bergen. Eine feste Sohle ist immer gefährlich. Ein Sohle, die auf eine gute Bodenhaftung hin optimiert ist, birgt ein nicht viel minderes Verletzungspotential. Barfüßig können diese Gefahren weitestgehend eliminiert werden und es bleibt einzig die Gefahr, dass man sich selbst oder der Partner an den Zehennägeln verletzt, wobei diese Gefahr durch entsprechende Vorsicht und Kurzhalten der Nägel gebannt werden kann. Wenn es also um die Frage des Trainierens mit oder ohne Schuhwerk geht, so denke ich ist das Beschränken der Sicht auf hygienisch oder unhygienisch doch deutlich zu kurz gedacht. Dennoch sollte auch dieser Aspekt in die Gesamtüberlegungen mit einbezogen werden, um am Ende zu einem sachgerechten Ergebnis zu gelangen. Hier ist stets abzuwägen, welche Vor- und Nachteile das Trainieren mit Schuhwerk bietet und welchen Nutzen man aus dem Training ohne Schuhwerk ziehen könnte. Im Ergebnis muss man sich für das entscheiden, was den eigenen Zielen am ehesten dient, wobei der Trainingspartner und mögliche Verletzungsrisiken für diesen natürlich nicht außer Acht gelassen werden dürfen. Im Ergebnis meine ich jedoch, dass sich das barfüßige Trainieren in den meisten asiatischen Kampfsportarten durchaus als die geeignetere Trainingsform erwiesen hat. Dies gilt sowohl für die Ausführung und Verbesserung der eigenen Technik (nicht zuletzt auch in Hinblick auf Standfestigkeit und bessere Bodenkontrolle) als auch hinsichtlich der Vermeidung von Verletzungsrisiken für den Partner. Bewährtes sollte man beibehalten und nur dann ersetzen, wenn das Neue demgegenüber mehr Vorteile aufzuweisen hat und die Trainingsziele besser unterstützen kann als das Alte.
geschrieben von: sascha am: 12.05.2016
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Ab und zu trainiere ich selbst auch in Schuhen allerdings nur im Winter wenn der boden zu kalt ist :-)

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