Freikampf auch für Kinder?

karate kidOb der Freikampf auch Kindern als Wettkampfdisziplin angeboten werden sollte wird immer wieder von Befürwortern und Gegnern kontrovers diskutiert. Die Argumente beider Seiten sind stark und sollten Gehör finden. Gleich ob man nun für oder gegen den Freikampf eingestellt ist, ohne sich wirklich auf die Meinung der anderen einzulassen, ohne deren Gedankengänge und die sich daraus ergebenden Schlussfolgerungen wirklich nachzuvollziehen, kann es keinen echten fortschrittbringenden Meinungsaustausch geben.

Viele meinen, dass Freikampf für Kinder deshalb ungeeignet sei, weil sie noch keine Kontrolle hätten. Damit ergäbe sich ein hohes Verletzungsrisiko für beide, nämlich den Kämpfer und seinen Gegner.

Dieses Argument ist durchaus stichhaltig. Ohne Kontrolle sind die Kinder eine Gefahr für sich selbst und auch für ihren Gegner.

Andererseits: Wo und wie können sie Kontrolle außerhalb des Trainings noch lernen? Natürlich auch und gerade in Wettkämpfen! Dem lässt sich jedoch mit einem nicht minder starkem Argument entgegentreten: Im Wettkampf sollten die dort antretenden Wettkämpfer bereits über die erforderliche Kontrolle verfügen… Damit liegt die letztendliche Verantwortung wiederum bei den Trainern einerseits und den Kampfrichtern andererseits.

Die Trainer sollten Kontrolle im Training vermitteln und nur solche Schüler zu Wettkämpfen melden, die auch ihre Techniken kontrollieren können. Die Kampfrichter wiederum sollten Konsequenz zeigen und mangelnde Kontrolle bestrafen, eben weil der Kämpfer eine Gefahr für sich selbst und auch für seinen Gegner ist.

Ein zweites häufiges Argument gegen den Freikampf für Kinder ist die Verschlechterung der Techniken. Gerade durch den Freikampf würden Kinder eher dazu neigen, die Techniken unsauber ausführen um sich damit vermeintliche Vorteile im Kampf zu sichern. Die Techniken werden schnell und unsauber ausgeführt. Es gibt keine sauberen Stellungen womit den Techniken im Ergebnis die Kraft fehlt.

Auch diesen sicher zutreffenden Argumenten kann ganz leicht entgegengetreten werden. Sind es nicht die Kampfrichter, die mit ihren Wertungen entscheidenden Einfluss darauf haben, welche Techniken von den Wettkämpfern als effektiv betrachtet und deshalb bevorzugt werden?

Wenn unsaubere und schwache Techniken gewertet werden, so liegt die Schuld für die Verschlechterung der Techniken doch in erster Linie bei den Kampfrichtern und erst in zweiter Linie bei den Wettkämpfer!

Auch die Trainer haben entscheidend Einfluss darauf, dass ihre Schüler verstehen, dass nur saubere und kraftvolle Techniken auch wirkungsvolle Techniken sind. Wenn Sie in der Lage und Willens sind ihren Schülern zu vermitteln, dass es im Karate keine Abkürzungen gibt, so werden seine Schüler auch nicht abweichen und nach einfachen aber im Grunde wertlosen Erfolgen suchen, sondern bestrebt sein, die Optimalform zu lernen und auch nur diese anzuwenden.

Letztlich ist auch einzig der richtigen Technik im Ernstfall Erfolg beschieden; nur auf effektive Techniken kann man sich wirklich verlassen. Den Trainern muss es gelingen, den Schülern die Unterschiede zwischen effektiven und nutzlosen Techniken aufzeigen und sicherstellen, dass die Schüler aus eigener Überzeugung zu der Erkenntnis gelangen, dass einzig einer korrekten Technik, also einer Technik die unter Berücksichtigung der vier Elemente jeder Technik (Reaktion, Timing, Distanz und Kontrolle) ausgeführt haben langfristig nicht nur den Erfolg sichern sondern einzig die Grundlage für die Verbesserung der eigenen Technik bilden.

Ein von mir sehr geschätzter Lehrer, Safar Sensei, sagte einmal „Im Karate gibt es in Bezug auf die Technik keine Meinung. Es gibt nur richtig oder falsch.“ Und das ist, wie sich jeder ehrlich eingestehen muss, leider nur allzu wahr.

Nun, ich war selbst auch lange Zeit gegen Freikampf für Kinder aus eben jenen eingangs genannten Gründen. Natürlich müssen die Schüler und angehenden Wettkämpfer über verschiedene Formen der Partnerübungen zum Freikampf hingeführt werden. Aber was bringt es eigentlich die Zulassung zum Freikampf von einen bestimmten Alter abhängig zu machen?

Ich bin im Laufe der Zeit zu der Überzeugung gelangt, dass nur der Freikampf die Gewähr dafür bietet, dass die Schüler ihre erlernten Techniken in der Realität unter Beweis stellen. Im Freikampf erhalten sie die Gelegenheit ihr Können wirklich unter Beweis zu stellen. Ein Training ist und bleibt immer ein Training – ganz gleich wie realistisch es auch sein mag. Im Training sind die Techniken meist im Vorhinein bekannt und selbst wenn nicht, so fehlt auf jeden Fall der so wichtige Faktor der Spontanität, der Abrufbarkeit eines breiten Repertoires an Techniken. Hier nämlich erst zeigt sich, ob der Schüler die Techniken verinnerlicht hat oder nicht, ob die erlernten Techniken situationsbedingt ohne groß nahzudenken jederzeit abrufbereit sind.

Natürlich hat der Trainer gegenüber seinen Schülern auch eine Verantwortung. Natürlich wird ein guter Lehrer bestrebt sein, Schaden von seinen Schülern abzuwenden und sie soweit möglich vor bitteren Enttäuschungen zu bewahren. Aber wenn dieses grundsätzlich verständliche und auch als positiv zu bewertende Bestreben soweit geht, dass man den Kindern eigene Erfahrungen verwehrt, dann verstellt man ihnen damit zugleich den Weg zu selbst gewonnen Erkenntnissen.

Gute Eltern und Trainer müssen auch Enttäuschungen zu lassen, denn jede Niederlage ist zugleich die Chance, gestärkt aus der jeweiligen Situation hervorzugehen, vorausgesetzt, diese Chance wird auch genutzt.

In einem alten chinesischem Sprichwort heißt es: „Es gibt drei Wege klug zu handeln: 1. Durch Nachahmen. Das ist der leichteste. 2. Durch Lernen. Das ist der längste. 3. Durch Erfahrung. Das ist der bitterste und zugleich der beste.“ Jede aus eigener Erfahrung selbst gewonnene Erkenntnis brennt sich in das Gedächtnis ein. Man lernt aus Fehlern.

Insofern sind Fehler wichtige Hilfen im Lernprozess und müssen grundsätzlich auch als wichtige Stützen für den Fortschritt verstanden und zugelassen werden. Wenn Kindern diese Möglichkeit aber durch diese Möhlichkeit genommen werden soll, weil man ihnen den Zugang zum Freikampf verwehrt, so beraubt man sie zugleich der Möglichkeit, eigene vielleicht sogar bereits eingeschliffene Fehler zu erkennen und zu beseitigen.

Insofern kann es eigentlich nur ein klares Ja für den Freikampf auch für Kinder geben. Vorausgesetzt, die Kinder werden von den Trainern entsprechend vorbereitet und die Kampfrichter erkennen ihre Verantwortung und werten nur die echte, im Ernstfall auch wirkungsvolle Techniken.

Alle Kampfkünste waren und sind schon immer auf Herausforderung aufgebaut. Im Kampf konnte jeder seine besten Techniken herausfinden.

Er konnte so das Gute vom Schlechten trennen.

Der freie Kampf ist die einzige wirkliche Gelegenheit außerhalb von realen Ernstfällen, die Effektivität und die Praxistauglichkeit der eigenen Techniken auf den Prüfstand zu stellen. Je früher diese Möglichkeit besteht, desto eher werden sich sonst rasch einschleifende Fehler als solche vom Übenden selbst erkannt und korrigiert. Insofern ist der Freikampf nämlich auch ein sehr nützliches Lernmittel. Dieser letzte Aspekt wird jedoch bei nahezu allen Überlegungen völlig ausgeblendet.

geschrieben von: sascha am: 28.08.2013
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