Ist Boxen eigentlich gesund oder gefährlich für das Gehirn?

In einigen Medien wird die Meinung verbreitet, die ständigen Schläge auf den Kopf führten zu kleinen Gehirnerschütterungen und somit auf Dauer zu Schädigungen des Gehirns. Dies ist jedoch wissenschaftlich nicht eindeutig belegbar. Erstmals wurde 1928 in Maryland das chronische Hirnsyndrom als “punchdrunkness” als Folge von ständigen Schlägen auf den Kopf beschrieben.

Ein nicht näher genannter Schreiber meint in einem Internet-Beitrag: „Allein in den letzten Jahren sind 12 Boxer auf Grund schwerer Kopfhiebe verstorben (die Anzahl derer, deren Hirn mehr oder weniger stark geschädigt wurde, mal ganz außen vor gelassen). Daher erscheint diese Aussage doch recht blauäugig und falsch. Es liegen sehr wohl zahlreiche Studien vor, die darüber berichten, was starke Kopftreffer bewirken können! Und danach sieht die Realität ganz anders aus!

Zahlreiche ältere Boxer leiden unter dem sogenannten „Punch-Drunk-Syndrom“ (Trunken von Schlägen). An den Nervenfasern des Boxerhirns haben sich Eiweißklumpen gebildet, was dazu führt, dass die Betroffenen Schwierigkeiten haben zu sprechen, sie bewegen sich schwerfällig und sie verlieren schnell das Gleichgewicht. http://de.wikipedia.org/wiki/Dementia_Pugilistica

Schauen wir uns doch einmal näher an, was dahinter steckt.

Wenn man alle Einzefallberichte verallgemeinern würde …

Tatsache ist: Wäre Boxen wirklich so gefährlich wie behauptet, dann gäbe es keine Boxer mehr und schon gar keine alten Trainer, die jahre- manchmal gar jahrzehntelang aktiv geboxt haben (und das nicht nur im Training sondern auch im Wettkampfbereich).

Die genannte Wikipedia-Quelle besagt nicht, dass die meisten Boxer an Dementia Pugilistica (Boxer-Syndrom) erkranken, sondern dass dieses Krankheitsbild – wenn es denn auftritt – insbesondere auch bei Menschen vorzufinden ist, die zuvor als Boxer aktiv waren. Das ist etwas völlig anderes! Außerdem wird ein direkter Zusammenhang nur vermutet; ein solcher ist bislang nicht nachgewiesen!

Die alles entscheidende Frage ist doch: Wie intensiv wird geboxt und wie oft wird man am Kopf getroffen? Ein guter Boxer wird höchst selten am Kopf getroffen und schon gar nicht mit voller Wucht. Ein schlechter Boxer wird zwangsläufig häufiger getroffen. Der Kämpfer lernt das Ausweichen und Ablenken von Schlägen und nicht wie man Treffer am Kopf am besten Aushalten kann.

Weil es beim Autofahren tödliche Unfälle gibt, sagt auch niemand verallgemeinernd, dass Autofahren potentiell tödlich sei. Das ist einfach absurd. Ebensowenig kann eine solche Aussage für Boxen getroffen werden. Boxen ist nicht gleich Boxen. Natürlich gibt es Autofahrer, die für sich selbst und andere Autofahrer eine Gefahr darstellen. Ebenso gibt es Boxer, für die das gleiche gilt. Doch unbestrittene Tatsache ist auch, dass die Mehrzahl der Autofahrer selbst nie einen gefährlichen, folgenschweren Unfall erleiden, ebensowenig wie die Mehrzahl (oder doch zumindest eine erhebliche Zahl der Boxer) zwangsläufig Gehirnschäden aufweist.

Es gibt keine einzige Studie, die mit belegbaren Fakten etwas derartiges beweist. Insofern sind Behauptungen, dass Boxen nicht gesund sei, ja mehr noch zu Gehirnschäden führe, in der Konsequenz weder schlüssig noch glaubwürdig. Auch Wikipedia sieht dies so: „Sowohl beim Amateur- als auch Profiboxen besteht ein akutes Verletzungsrisiko an den getroffenen als auch an den schlagausführenden Körperteilen. Dagegen lässt sich bisher kein sicherer Kausalzusammenhang zwischen mittel- und langfristigen Gesundheitsrisiken, insbesondere mit neurologischen Folgeerscheinungen und dem Boxsport herstellen.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Boxen#Verletzungsrisiko)

Nun wird hiergegen gern „Heidelberger Boxerstudie“, die Prof. Dr. Stefan Hähnel durchgeführte. Bei dieser Studie wurden bei einigen Probanden bei Kernspin-Untersuchungen (MRT) Mikroblutungen nachgewiesen, die als Ursache für Demenz und Parkinson angesehen werden. „Wie häufig die Mikro-Blutungen bei Boxern auftreten, ist nicht bekannt. Letztlich könnten sie zum Untergang von Gehirnzellen und Funktionsausfällen wie Demenz oder Morbus Parkinson führen. Diese Hypothese wird von einigen Arbeitsgruppen vertreten. Die drei Boxer, die Veränderungen aufwiesen, zeigten diese typischerweise im vorderen Großhirn, wo die Scherkräfte durch Boxschläge ihre Hauptwirkung haben.“

Als weiteres Argument für die Gefährlichkeit von Boxen wird auch gern angeführt, dass Geldleistungen bei einem Unfall durch Boxen nach Art. 39 des Bundesgesetzes über die Unfallversicherung um 50 % gekürzt werden! Nicht umsonst sei der Boxsport bereits in 5 Staaten (Norwegen, Island, Kuba, Iran, Nordkorea) völlig verboten.

Es stellt sich nun berechtigt die Frage, was ist dran an diesen Argumenten?

Man darf nicht alles übermäßig dramatisieren! Aufgrund unbewiesener Theorien wilde Hypothesen aufzustellen und Schreckensszenarien zu zeichnen ist einfach verantwortungslos.

Ausgerechnet die Versicherungswirtschaft zu zitieren, vermag ebensowenig als Beweis für die Richtigkeit der Behauptung herhalten. Denn es werden z.B. auch kontaktlose (!) Kampfsportarten wie traditionelles Karate als „Risikosportart“ behandelt und mit erheblichen Zuschlägen auf die Prämien belegt. Der Erfolg von Lobbygruppen bei Gesetzgebungsverfahren ist zudem hinlänglich bekannt.

Um aber insbesondere auf die von Dir genannte Boxerstudie von Hähnel zurückzukommen: Hähnel sagt selbst in Bezug auf die bei 3 (von 47) Probanden festgestellten winzigen Hirnblutungen: „Wir haben einen Trend entdeckt, mehr nicht. Um gesicherte Resultate zu bekommen, müssten wir mehr als 100 Boxer und entsprechend viele Vergleichspersonen untersuchen.“

Auch diese Studie ist also alles andere als ein Beweis, ja sie wird sogar durch Prof. Dr. Hähnel selbst in ihren Aussagen relativiert.

Jeder Sport, ja jede Betätigung hat Risiken. Risiken sind aber auch beherrschbar. Jeder verantwortungsvolle Trainer wird alles daran setzen, Gefahren weitestgehend auszuräumen. Zu den meisten Unfällen kommt es ja sowieso im häuslichen Bereich. Trotzdem kommt niemand auf die Idee, hauswirtschaftliche Tätigkeiten zu verbieten, bei Versicherungen Risikozuschläge zu verlangen oder höhere Eigenbeteiligen zu fordern. Das wäre einfach nicht durchsetzbar. Mit bestimmten Sportarten, die als potentiell extrem gefährlich dargestellt werden, geht das aber. Denn: Unwissenheit schützt den Wissenden und verschafft ihm einen erheblichen Vorteil zum Nachteil des Unwissenden oder Schwächeren.
Lobby-Gruppen ist es immer wieder gelungen, sich in bestimmten Bereichen durchzusetzen. Nur weil es beim Autofahren im Vergleich zum Boxsport alljährlich eine deutlich höhere Zahl von Toten gibt (prozentual gesehen) kommt niemand auch nur ansatzweise auf die Idee, Autofahren zu verbieten. Schon allein aus politischen Gründen.

Man wird immer für jedes Argument ein geeignetes Gegenargument finden und aufstellen können.

Tatsache ist und bleibt, dass es keinen wissenschaftlich stichhaltigen Beweis dafür gibt, dass Boxen das Gehirn schädigt. Ebensowenig gibt es einen wissenschaftlichen Beweis dafür, dass Boxen das Gehirn nicht schädigt.

Tatsache ist jedoch, dass jeder Sport in Maßen betrieben der Gesundheit förderlich ist. Dies gilt für Kampfsport in besonderem Maße. In keinen anderen Sportarten wird der ganze Körper so ganzheitlich gefordert und eingesetzt wie dies in Kampfsportarten der Fall ist. Hier muss der Kämpfer auch beidseitig gleichermaßen fähig ein, seine Techniken auszuführen. In den meisten anderen Sportarten kommt es immer zu Schädigungen aufgrund einseitiger Belastungen oder muskulären Dysbalancen. In kaum einer anderen Sportart wird das Gehirn und Nervensystem derart aktiv in die körperliche Aktivität mit einbezogen wie beim Kampfsport. In Sekundenbruchteilen muss der Kämpfer den Angriff nicht nur erkennen, sondern auch entsprechend reagieren. Reaktion, Schnelligkeit, Ausdauer und Kraft sind nur einige der durch Kampfsport im Allgemeinen geförderten Qualitäten, die auch im Alltag wichtig sind und wesentlichen Einfluss auf die Gesundheit des Einzelnen haben.

Ich meine, die Vorteile für die Gesundheit und Fitness eines unter fachlicher Anleitung aufgenommenen Boxtrainings überwiegen deutlich die ohne Zweifel potentiell bestehenden Risiken. Boxtraining und Boxsport reduziert sich keinesfalls auf Schläge zum Kopf (die natürlich auch vorkommen). Es ist in erster Linie ein hervorragender Sport, um die körperliche Fitness entscheidend zu verbessern.

Es geht im Ergebnis nicht darum, die andere Seite von der Richtigkeit der eigenen Meinung zu überzeugen, denn die beiden Seiten wollen ja im Ergebnis auch gar nicht überzeugt werden. Auch die durchgeführe Studie hatte doch eigentlich zum Ziel einen Zusammenhang zwischen Boxsport und Hirnschädigungen herzustellen, was ihr aber nicht gelungen ist. Esgeht immer darum, eine aufgestellte Hypothese zu beweisen. Trotzdem sollten wir die Katze im Sack lassen und Vermutungen auch klar als Vermutung oder Hypothese darstellen und nicht versuchen diese als bewiesene Tatsache darzustellen.

Es gibt Wissenschaftler, die einen Zusammenhang zwischen Gehirnschäden und dem Boxsport vermuten, was aufgrund der Besonderheit des Boxsports auch naheliegend wäre. Es ist bisher aber noch keinem Wissenschaftler gelungen, hierfür einen eindeutigen Beweis zu führen.

Eine einseitige Antwort und Betrachtung der Dinge ist ebensowenig hilfreich wie das Befragen von Personen, die die eigene Meinung teilen oder das Ignorieren von Tatsachen, die nicht so recht zur eigenen Sicht der Dinge passen.

Es gibt auf die Frage ob Boxen nun gesund oder gefährlich für das Gehirn ist kein klares JA oder NEIN. Es gibt Indizien. Mehr nicht. Boxen selbst ist nicht mehr oder weniger gefährlich als andere Sportarten. Interessanterweise entfallen ja die prozentual auf die Zahl der aktiven Sportler heruntergerechneten Verletzungszahlen eben nicht auf den Kampfsport sondern auf die Ballsportarten. Insofern wären der weit verbreiteten Ansicht folgend Ballsportarten (allen voran Handball und Fußball) gefährlich und gehörten deshalb verboten.

Aber so einfach darf man es sich eben nicht machen. Es gibt überall Gefahren und Risiken. Bei einer Berücksichtigung aller Fakten, lautet für mich die klare Antwort JA und NEIN.

Boxen ist verantwortungslos betrieben gefährlich – auch für das Gehirn. So wie alles andere auch gefährlich für die Gesundheit ist. Beim verantwortungsvollem Boxen als Sport zur Gesunderhaltung und Förderung der Fitness hat das Boxen ganz klar positive Effekte auf das Gehirn. Insofern lautet die Antwort NEIN.

Jede Medaille hat zwei Seiten und das kann man nicht einfach negieren.

Weblinks: Boxerstudie von Hähnel
Tagesspiegel: Boxsport – Schläge gegen das Denken
Curado: Demenz durch Boxen?

geschrieben von: ralphp am: 2.05.2010
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Kommentare

[…] This post was mentioned on Twitter by Budoten. Budoten said: rp: Ist Boxen eigentlich gesund oder gefährlich für das Gehirn? http://bit.ly/clmTGB […]

Hallo,

ich denke Kinder könnten in ihrer Entwicklung sicherlich auch bei falschem Boxen geschädigt werden. Ansonsten bezweifle ich, dass Hobby Boxer ihre Gesundheit aufs Spiel setzen.

Grüße
Marco Klinger

Budoten Budoshop und Kampfsportversand

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