Jeder Mensch trauert anders

trauer-friedhofDer Tod eines Familienmitglieds oder engen Freundes macht die Angehörigen zuerst oft fassungs-, sprach- und ratlos. Später haben jedoch viele Hinterbliebene das starke Bedürfnis, ihrer Trauer Ausdruck zu verleihen und sie angemessen zu verarbeiten. Dafür steht ihnen eine Vielzahl kreativer Möglichkeiten zur Verfügung, die sie oft mit professioneller Unterstützung auch praktisch nutzen können. Das beginnt mit der Gestaltung der Bestattungsfeier und setzt sich fort in vielfältigen Formen der Trauerarbeit und des Erinnerns an den Verstorbenen. Ausgebildete Trauerbegleiter sowie Kunst-, Musik- und Bewegungstherapeuten bieten dazu Seminare und Workshops für die kreative Bewältigung der Trauer an.

„Trauer ist sehr individuell, sehr persönlich und sehr intim und dennoch braucht sie die Möglichkeit, sich auszudrücken und mit anderen teilen zu können“, erläutert die Trauerrednerin und Buchautorin Helene Dülperthal (1) das Grundbedürfnis aller Trauernden. Dabei sind die Ausdrucksformen so vielfältig und individuell wie die Menschen selbst, weiß der Trauerbegleiter Fritz Roth: „Jeder Mensch trauert anders. Folglich soll jeder das machen, was ihm oder ihr in dieser Zeit das stärkste Bedürfnis ist: weinen, mit dem Toten reden, einen Brief schreiben, Musik hören, vielleicht ein Video von der letzten Geburtstagsfeier ansehen. Um den Tod zu begreifen, braucht man die reale Nähe und reale Zeit mit dem Toten.“ (2)

Diese reale Nähe zum Verstorbenen ist vor allem durch eine eigene Grabstätte möglich, betont Andreas Mäsing, Vorsitzender des Vereins zur Förderung der deutschen Friedhofskultur VFFK: „Mit frischen Blumen, kunstvollen Gestecken oder Arrangements aus verschiedenen Materialien können die Angehörigen das Grab kreativ gestalten.“ Auch nach Ansicht der Autorin Annerose Sieck kommt der Grabstätte besondere Bedeutung zu: „Eine schöne Grabanlage, die liebevolle Pflege und ein passender Stein können diese Liebe zum zum Ausdruck bringen. Gleichzeitig wird es für viele Hinterbliebene so leichter, den erlittenen Verlust zu realisieren und anzunehmen.“ (3)

Den Abschied sinnlich erfahrbar machen
Die Bestattung in einem Grab bietet schon von Anfang an viele Möglichkeiten, seiner Trauer persönlichen Ausdruck zu verleihen: „So können Grabbeigaben, zum Beispiel persönliche Gegenstände, den Trauernden emotional mit dem Verstorbenen verbinden“, rät Andreas Mäsing. Schließlich sind Sarg- und Grabbeigaben eine Geste, die auch heute erlaubt ist, betont Fritz Roth: „Zu den idealen Begleitern zählt das, was wir selbst mit Botschaften gestalten, Briefe, Bilder, ein Foto. Dieses ‚Mitgeben’ kann ein Ausdruck sein, der den Abschied, das Loslassen sinnlich erfahrbar macht. So wie wir etwas von dem Verstorbenen ‚als Andenken’ an ihn zurückbehalten wollen, so wollen wir ihm auch etwas von uns mitgeben.“ (2)

Das Loslassen sinnlich erfahrbar machen – darum geht es auch dem Choreographen und „Lebenstänzer“ (4) Felix Grützner, der eine besondere Form der Trauerarbeit entwickelt hat: „Das Besondere im Tanz ist, dass er Stimmungen und Emotionen ausdrücken kann, für die uns die Worte fehlen. Das ist besonders bei Verlusterfahrungen wie dem Tod eines geliebten Menschen häufig so.“ Seine tänzerische Form der Trauerverarbeitung vermittelt Grützner in Seminaren und Workshops sowohl Trauernden als auch Mitarbeitern von Hospizen, Palliativ-Einrichtungen und Sozialen Diensten. Seinen „Lebenstanz“ bietet er auch für die Gestaltung von Begräbnisfeiern und Gottesdiensten an: „Mein Tanz nimmt Schmerz und Trauer über den Verlust auf, lässt aber auch eine Ahnung aufscheinen vom Leben danach – für die Hinterbliebenen, vielleicht auch für die Verstorbenen.“ (4)

Ob Tanz, Grabbeigaben oder persönliche Erinnerungen: bei aller Vielfalt der Formen ist die Art der Trauerverarbeitung bei Kindern und Erwachsenen doch sehr unterschiedlich. „Für kleinere Kinder sollten Sie Malstifte, Papier und andere Bastelmaterialien bereithalten, damit sie ihre Gefühle ausdrücken können. Ältere Kinder und Heranwachsende halten ihre Gefühle auch in Tagebüchern fest. In einem Brief können sie schreiben, wie sehr sie den Verstorbenen vermissen, oder sich von ihm verabschieden“, rät Annerose Sieck (3), die auch hier dem Grab eine besondere Rolle zuschreibt: Das Kind „kann in die Grabpflege eingebunden werden, indem es selbst gepflückte Blumen in eine Vase stellt, die Pflanzen begießt oder ein von ihm gemaltes Bild aufstellt. Solche Situationen laden ein, über Gefühle zu sprechen und diese so aufzuarbeiten.“ (3)

Quellenangaben:

1 Quelle Zitat: www.dueperthal-trauerrede.de; Literatur: Helene Düperthal, Abschied zwischen Wunsch und Wirklichkeit, Lebensweichen Verlag 2011

2 Fritz Roth, Das letzte Hemd ist bunt – die neue Freiheit in der Sterbekultur, Campus Verlag 2011 (Seite 67, 160)

3 Annerose Sieck, Trauer bewältigen, humboldt 2009 (S. 33, 167f.)

4 Informationen unter: www.lebenstaenzer.de

Quelle: openPR

geschrieben von: sascha am: 7.06.2013
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