Judo ist härtester Vollkontakt … 95% der Techniken sind auf rasches Töten ausgelegt …

judoUnlängst habe ich ein interessantes Statement von einem Judotrainer gelesen, das mich doch sehr überraschte. Er schreibt: „Ich habe inzwischen viele Kampfsportarten ausprobiert, einfach weil ich als Profi die Möglichkeit habe … aber ich habe bisher nichts besseres gefunden als Judo.

Wer Judo als Kuschelprogramm bezeichnet kann eindeutig keine Ahnung haben. Judo mag vielleicht der Sanfte Weg heißen, bedeuten tut das allerdings, dass man sich selbst nicht anstrengen muss. Je stärker der Gegner, desto vorteilhafter kann das sein.

Und 95% aller Techniken sind auf ein schnelles Töten ausgelegt, zumindest aber auf ein sofortiges Beenden des Kampfes. Zu Wettkampfzwecken streicht man allerdings Schläge, Tritte, Waffen und die richtig bösen Techniken.

In jedem Fall erfordert Judo ein absolutes Höchstmaß an Beherrschung, fertig austrainierte Judoka sehen allerdings nicht unbedingt aus, wie man sich einen Sportler vorstellen mag. Judo ermöglicht es jedem, seine persönlichen Vorteile auszunutzen, was mir bei anderen Kampfkünsten nie begegnet ist, denn da wird man in ein Muster gepresst.

Im gegensatz zu Karate und sonstigem verringert Judo sogar in jeder Hinsicht die Schmerzempfindlichkeit, denn Judo kann nur als härteste Vollkontaktsportart ausgeübt werden. „

Ein äußerst interessantes Statement, das mich dann aber doch zum Widerspruch herausfordert. Mir kommt dabei unwillkürlich eine kleines japanisches Gedicht ins Gedächtnis:
„Ein Frosch, der seinen Teich noch nie verlassen hat, kennt die Welt nicht. Für ihn ist sein Teich die Welt.“

Es gibt nichts besseres als Judo

Dass es für den Judoka nichts besseres als Judo gibt, sollte so sein. Warum sonst macht er Judo? Aber ich bin ebenso davon überzeugt, dass alle anderen Kampfsportler, die ihren Kampfsport lang und intensiv genug betrieben haben ebenfalls von ihrem Kampfsport überzeugt sind. Allerdings muss ich anerkennen, dass jede Kampfsportart dem sie Praktizierenden nur dann von Nutzen ist, wenn sie auch seiner Natur entspricht. Gerade deshalb gibt es ja so viele verschiedene Kampfkünste, die alle nebeneinander existieren und alle unzählige eifrige Schüler haben.

Judo, der sanfte Weg

Dass der sanfte Weg, wie Judo auch genannt wird, alles andere als sanft ist, dürfte jedem bekannt sein, der einmal Judo betrieben hat. Judo ist genauso hart wie Karate oder Taekwondo, wenngleich Schläge und Tritte im modernen Wettkampf-Judo keinen Platz haben.

Tatsache ist aber auch, dass ein starker Angreifer, nur dann für einen Judoka von Vorteil ist, wenn der starke Angreifer nichts vom Judo versteht. Ansonsten zeigt sich in jedem Judo-Wettkampf immer wieder, dass physisch schwächere Gegner gegen einen technisch in etwa gleich starken Gegner immer unterlegen sind.

Mehr noch als im Judo wird das Siegen durch Nachgeben im Aikido praktiziert. Insofern glaube ich, dass die Aussage eher auf einen Aikidoka denn einen Judoka zutrifft. Dazu kommt, dass im Aikido – anders als im Judo – ausschließlich Verteidigung, nicht aber Angriff im Vordergrund steht. Aikido ist die defensive Kampfkunst schlechthin.

95% der Techniken sind auf schnelles Töten ausgelegt

Wow! So habe ich Judo noch nie kennengelernt.

Früher gehörten Atemi noch etwas mehr zum Trainingsprogramm als heute. Aber dennoch – glaubt jemand ernsthaft, dass ein durchschnittlicher Judoka, der sagen wir 10 Prozent seiner Trainingszeit mit den gefährlichen Atemi-Techniken verbringt, einem Karateka, der die ganze Zeit nichts anderes macht als diese zu perfektionieren, tatsächlich überlegen ist?

Sicher können manche Würfe, durchaus tödlich enden, besonders dann, wenn der andere noch nie etwas von Fallschule gehört hat.

Auch eine Würge oder ein guter Hebel können den Kampf beenden oder auch im Extremfall tödlich enden …

Aber 95% der Judotechniken sind auf schnelles Töten ausgelegt … Das ist schon etwas, was mich ins Staunen versetzt. Immerhin ist doch Judo als Sport etabliert und im Sport geht es um Punkte im Wettkampf und nicht darum, die Gegner reihenweise zu töten.

Nicht zuletzt war es ja auch Jigoro Kano, der Begründer des modernen Judo, der die Mehrzahl der wirklich gefährlichen Techniken aus seiner Kampfkunst verbannt hat und ihr so den Weg fur eine breite Öffentlichkeit öffnete. Glauben wir wirklich, dass Judo an japanischen Schulen als normales Unterrichtsfach erlaubt wäre, wenn die Schüler dort zu 95% tödliche Techniken erlernen würden?

Judo ermöglicht es im Gegensatz zu anderen Kampfkünsten, die persönlichen Vorteile auszunutzen

Hier muss ich auf meinen Einstieg zurück kommen. Wenn mir andere Kampfkünste nicht liegen, dann macht es natürlich keinen Sinn, andere Kampfkünste auszuüben und ich werde meine persönlichen Vorteile in den anderen Kampfkünsten nie nutzen können. Das liegt in der Natur der Sache.

Das allein dürfte wohl auch der Grund dafür sein, dass dieser Judo-Trainer meint, dass es nur Judo erlaube, persönliche Vorteile auszunutzen.

Wer andere Kampfkünste intensiv genug studiert und trainiert erkennt, dass jede Kampfkunst das gleiche Ziel hat und dass nicht jede Kampfkunst für jeden gleichermaßen geeignet ist, wobei es aber nicht auf Äußerlichkeiten ankommt, sondern eher um persönliche Vorlieben oder Abneigungen geht.

Insofern wird niemand in fertige Muster hineingepresst. Am Anfang steht die Technik – das ist klar. Doch sobald die Technik beherrscht wird, wird sie frei von jeglichen Mustern eingesetzt und angewendet. Das ist die Vollendung der Kampfkunst.

„Letztlich ist alles Erlernte eine erworbene Fähigkeit,“ formulierte Bruce Lee sehr trefflich.

Judo verringert im Gegensatz zu Karate die Schmerzempfindlichkeit, denn Judo ist härtester Vollkontakt

An dieser Stelle verschlägt es mir dann schon fast die Sprache. Ich bin überzeugt, dass Judo mitnichten eine Vollkontaktsportart ist. Wahrscheinlich hat dieser Trainer noch nie wirklich Vollkontakt gekämpft um überhaupt zu wissen, was Vollkontakt bedeutet.

Auch die Behauptung, dass einzig Judo die Schmerzempfindlichkeit verringere entbehrt jeder wissenschaftlichen Grundlage. Jede Kampfsportart ist gleichermaßen geeignet, die Schmerzempfindlichkeit zu verringern.

Fazit

Ich finde es sehr bedauerlich, dass ein Trainer (!) so wenig Offenheit und Weitblick besitzt, um über den Tellerrand hinaus zu blicken. Die Welt ist so groß, so weit und so schön. Nicht jeder muss das gleiche lieben wie ich und es ist auch gut so, dass jeder andere Vorlieben und andere Vorzüge hat.

geschrieben von: marco am: 12.01.2014
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Kommentare

Je weiter man kommt, desto polemischer scheint der Text zu werden (zB: „Wow! So habe ich Judo noch nie kennengelernt.“).
Deswegen folgende Fragen: von wem stammt die ursprüngliche Aussage, mit „ein Trainer“ kommt man nicht weit, lässt also die Möglichkeit offen, das Ganze nachzulesen. Zudem stellt sich die Frage: Wer schreibt hier und welche Qualifikationen und Erfahrungen hat der Autor?
Wo kommen Aussagen wie „95% der Techniken sind auf schnelles Töten ausgelegt“ her? Die fallen ohne Angaben von Quellen doch etwas vom Himmel.
Das Verneinen des Vollkontakts ist interessant. Welche Techniken könnten denn mehr Vollkontakt sein?
Ist das nicht in allen Kampfsportarten der Fall? Man erlaube mir die exemplarische Übertreibung: Darf ich bei einem „Vollkontakt“ Kampf mein Stiefelmesser ziehen und das meinem Gegner ins Auge rammen? Nein? Ist das dann Vollkontakt – schließlich wird hier eine Extremform (wie in Judo auch) durch Regeln verboten.

Mit Hilfe von Google habe ich zumindest die Quelle für das den Anlass für diesen Beitrag gebende Zitat auf Sportlerfrage.net gefunden. Zur Identität des „Trainers“ lässt sich leider dem Profil bei Sportlerfrage nichts entnehmen. Ich gehe jedoch davon aus, dass der sich selbst als „Profi“ bezeichnende Judoka über langjährige Judo-Erfahrung verfügt.

Judo ist auf schnelles und rasches töten ausgelegt??
Welcher Trainer schreibt so einen Unsinn?? Das kann kein Trainer oder Profi sein, der so einen Schwachsinn von sich gibt!

Aus Gründen des Schutzes der Persönlichkeit des „Trainers“ bleibt dessen Identität anonym.

Ich persönlich glaube nicht, dass dieser Judo-Trainer tatsächlich als sehr qualifiziert anzusehen ist wenn es um den Vergleich von Judo mit anderen Kampfsportarten geht. Er ist von Judo überzeugt, scheint aber darüber hinaus über keine tiefergehenden Erfahrungen in anderen Kampfkünsten zu verfügen.
Der weitere Text ist in der Tat polemisch und setzt sich detailliert mit den Kernaussagen des Judo-Trainers auseinander.

Wenn Fabs nach den Qualifikationen des Autors fragt, so teile ich diese gern mit: Der Autor hat sich zunächst mehrere Jahre mit Judo befasst und sich dann dem Karate zugewandt. Er verfügt über 26 Jahre Erfahrung im Karate. Er ist derzeit Träger des 4. Dan und seit vielen Jahren als Trainer tätig. Regelmäßig reist er nach Japan, um sich im Ursprungsland des Karate fortzubilden.

Doch letztlich sollte die Qualifikation nicht so in den Vordergrund gerückt werden. Aus meiner Sicht sagen Namen, Graduierungen, Lehrer, Abschlüsse usw. nichts über die Qualifikation einer Person aus. Besser ist es, die Taten (oder in diesem Fall die Worte) für sich sprechen zu lassen.

Ich für meinen Teil kann mich dem Autor nur anschließen. Judo ist mit Sicherheit nicht mehr das, was es ursprünglich einmal war. Mitnichten sind 95% der Judotechniken tödlich und Judo zählt auch keinesfalls zu den Vollkontakt-Sportarten wie dies beispielsweise für MMA, Kickboxen oder Karate (je nach Stilrichtung und Wettkampf-Reglement) gilt.

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