Kampfsport und Schule

Hallo, ich trainiere viel Kampfsport aber frage mich ob ich das eigentlich noch schaffe mit der Schule. Geht das eigentlich gut in der Schule zu sein und trotzdem Kampfsport zu betreiben? Sollte ich lieber viel Kampfsport machen oder lieber viel für die Schule tun und üben? Danke :) Geht das eigentlich noch wenn ich diese Sachen gleichzeitg machen kann: Kampfsport, für die Schule üben, italienisch lernen? Hab ich da eigentlich noch Zeit? Eine schwierige Frage, doch die Antwort liegt im Grunde in Dir selbst, denn diese Entscheidung musst Du ganz allein für Dich treffen. Zeit ist mit Sicherheit kein Problem. Wer etwas tun möchte findet die dafür nötige Zeit immer und in jedem Fall. Richtig ist, dass die Schule, Deine schulischen Leistungen heute über Deine Zukunft morgen entscheiden. Deshalb gilt: Je besser Du heute in der Schule bist, desto besser sind Deine Chancen morgen. Richtig ist aber auch, dass der Kampfsport hierzu ebenfalls entscheidendes beizusteuern hat. Willenskraft und Durchsetzungsvermögen beispielsweise sind Eigenschaften, die man nicht in der Schule lernt, jedoch im Kampfsport jeden Tag trainiert. Entschlossenheit und Geradlinigkeit erwirbt man durch Kampfsport. Zugleich werden auch weitere wichtige Charaktereigenschaften wie Rücksichtnahme, Respekt, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft geschult. Auch die Achtung vor sich selbst und anderen anderen, Veranwortung für sich und andere und vieles mehr ... Das sind alles Dinge, die im Leben mindestens ebenso wichtig sind wie gute schulische Noten. Es kam nicht von ungefähr, dass der indische Mönch Bodhidharma als er nach China kam den Mönchen am Shaolin Kloster Kung Fu lehrte und damit den Grundstein für die heutige Berühmtheit des Shaolin-Klosters legte. Die Mönche waren klug. Sie studierten viel, doch sie waren schwach. Deshalb lehrte er sie zunächst Kung Fu um sie dadurch aufnahmefähiger für seine Lehren zu machen. Kampfsport stählt den Körper. Auch die Römer sagten: In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Mit anderen Worten: Schule allein hilft nicht. Ich möchte nicht mit Menschen zu tun haben, die zwar fachlich top sind, aber sonst zu nichts zu gebrauchen. Kampfsport ist eine Schule fürs Leben. Wer meint, Kampfsport sei nur eine kurze Leidenschaft, ein Hobby, das ohnehin bald an den Nagel gehängt wird - nun gut, mag sein. Aber so kurz das Kampfsporttraining auch sein mag, jeder der Kampfsport bei einem guten Lehrer trainiert hat, wird davon ein Leben lang profitieren. Ich selbst habe auch viel Kampfsport neben Schule und Studium betrieben. Rückblickend betrachtet: Ja, wenn ich mich mehr auf Schule und Studium konzentriert hätte, hätte ich vielleicht noch bessere Abschlüsse erreichen können. Doch ist es nicht die Schule allein, die über die Zukunft eines Menschen entscheidet. Der Mensch ist letztlich die Summe seiner Erfahrungen. Je mehr Erfahrungen er sammeln konnte, desto besser, desto fundierter und durchdachter sind seine Entscheidungen. Der wohl wichtigste Punkt im Kampfsport ist der, dass man im Kampfsport nicht blenden kann. Man kann niemanden betrügen, weder seinen Partner, noch seinen Gegner noch sich selbst. Alles was man tut, beweist sich letztlich von selbst. Ist die Technik wirkungslos (gleich aus welchem Grund) war sie nicht gut oder eben nicht gut genug. Das sieht jeder und das weiß jeder - ganz besonders man selbst. In Schule und Studium können viele Schwierigkeiten allein dadurch beseitigt werden, dass die Probleme totgeredet, dass die Schwierigkeiten mit geschickten Wendungen umgangen oder einfach ausgeblendet werden. Hier ist es relativ leicht andere über seine wahren Fähigkeiten zu täuschen. Oft genug wiederholt glaubt man seine eigenen Geschichten am Ende sogar selbst. Nicht jedoch im Kampfsport. Hier kann man niemanden täuschen, nicht einmal sich selbst. Im Kampfsport erinnert sich jeder noch lebhaft an seine Schwierigkeiten als Anfänger. Jeder kennt die Probleme und jeder kann daher die Probleme der Anfänger, die nach einem kommen nachvollziehen. Auf diese Weise entwickelt sich eine ganz neue Menschlichkeit ein ganz neues Verständnis. Im harten Kampfsporttraining entdeckt man sich und seine Grenzen jeden Tag aufs Neue. Man steht jeden Tag neuen Herausforderungen gegenüber. Jeden Tag erfährt man aufs Neue, dass die Grenzen, die man tags zuvor gekannt zu haben glaubt im Grunde nicht existieren oder doch viel weiter zu setzen sind. Kampfsportler entwickeln eine Kämpfernatur. Sie sind in der Lage ein einmal gesetztes Ziel auch konsequent und zielorientiert anzugehen. Sie gehören in der Regel nicht zu den Leuten, die bereits nach einigen schwachen Versuchen frustiert aufgeben. Kampfsportler sind Menschen, die Probleme und Auseinandersetzungen nicht scheuen, wenn sie wissen, dass sie für eine gute Sache kämpfen. Sie verstehen sich durchzusetzen. Sie sind Menschen, die bei Problemen nicht nach Gründen suchen sondern nach Lösungen. Kampfsport ist eine Schule fürs Leben. Es kommt nicht von ungefähr, dass Kampfsport in Japan sogar offizielles Unterrichtsfach an den Schulen ist. Leuten die bereits Kampfsport betrieben und einen Meistergrad erworben haben, wird oft der Vorzug gegeben - sei es bei der Bewerbung um einen Studienplatz oder einen Job. Ich möchte rückblickend die Erfahrungen des Kampfsports nicht missen. Ohne den Kampfsport stünde ich heute nicht da, wo ich heute stehe. Der Kampfsport war und ist ein wichtiger Teil in meinem Leben. Kampfsport ist nicht mein Leben. Nein, soweit würde ich nicht gehen. Jedoch wäre mein Leben ohne den Kampfsport nicht das selbe und mit Sicherheit um vieles ärmer. Wie ich eingangs schon gesagt habe: Die Entscheidung musst Du selbst treffen. So lange alles unter einen Hut geht, dann gehe beidem: Schule und Kampfsport gleichermaßen nach, denn beides ist aus meiner Sicht gleich wichtig. Schule und Kampfsport legen den Grundstein für Deine Zukunft. Ich bin davon überzeugt: Weder Schule noch Kampfsport allein werden über Deinen zukünftigen Lebensweg entscheiden, aber beide zusammen werden Dich weiterbringen und Dir letzten Endes eine blendende Zukunft bescheren.
geschrieben von: ralphp am: 19.02.2012
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