Kampfsportler in Selbstverteidigungs-Situationen

selbstverteidigung (2)Kampfsportler sind in Selbstverteidigungssituationen oft nicht nur überfordert sondern zugleich auch unfähig sich richtig zu verteidigen. Viele behaupten zwar von sich selbst das Gegenteil, aber die Realität sieht leider anders aus.

Ein erfahrener Kampfsportler ist nicht unbedingt auch ein erfolgreicher (= effektiver) Kämpfer in Selbstverteidigungssituationen. Der Grund hierfür ist ebenso einfach wie offensichtlich: Selbstverteidigung ist nun einmal etwas ganz anderes als ein sportlicher Wettkampf.

Im Wettkampf gibt es Regeln, in der Selbstverteidigung natürlich nicht. Nicht selten sind die Champions der Kampfsportarten auch nur noch Champions der selbst gemachten Regeln. Sie üben nur jene Techniken, die Punkte bringen bzw. von den Kampfrichtern als „Wertungstechnik“ angesehen werden. Das ist aus Sicht des Sportlers nicht nur folgerichtig, sondern auch eine Frage seines sportlichen Erfolgs und damit seines sportlichen Weiterkommens.

Von den Regeln abgesehen, die nicht wenige für die Selbstverteidigung essentielle Techniken verbieten, sind die Ziele des erfolgsorientierten Sports doch völlig andere als die einer Kampfkunst, die nur dem Ziel dient, dem Kämpfer die effektivsten Techniken an die Hand zu geben.

Trainer und Lehrer, die sich nur über den sportlichen Erfolg ihrer Schüler definieren, verbannen oft alle Techniken, die die Regeln nicht zulassen. Damit wird nicht nur die Kampfkunst ärmer, sondern den Kämpfern werden auch wichtige Möglichkeiten genommen, ihr Repertoire zu erweitern und spezielle Muskelgruppen zu trainieren, die ihnen wiederum bei anderen Techniken sehr hilfreich sein können. Doch diese Zusammenhänge kennen diese Lehrer entweder nicht oder blenden sie bewusst aus. Was zählt ist schließlich der kurzfristige Erfolg …

Gern an dieser Stelle ein paar konkrete Beispiele:
Judo beinhaltete früher auch Tritte oder Schlagtechniken. Diese sind heute ganz aus dem Trainingsalltag verschwunden. Judoka sind somit nur noch auf den Nahkampf vorbereitet.
Kata-Experten im Karate könnten wahrscheinlich oft ebenso gut durch Turner oder Tänzer ersetzt werden, denn die Techniken sehen nur noch schön aus. Effektiv ist etwas anderes. Turner und Tänzer beherrschen schöne Bewegungen in Perfektion.
Im Taekwondo werden Fußtritte zum Kopf besser bewertet als ein Fauststoß. Warum? Richtig ausgeführt ist der Kontrahent in jedem Fall außer Gefecht gesetzt. Die Folge: was Punkte bringt, wird gemacht.
Im Kyokushinkai sind beispielsweise Faustschläge zum Gesicht verboten, „ungefährliche“ Tritte hingegen erlaubt. Welche Logik da wohl dahinter steckt?

Diese Aufzählung könnte noch beliebig fortgeführt werden, aber es soll genügen. Ursache war und ist das Bestreben der Versportlichung der Kampfkünste. Was übrig bleibt ist nur allzu oft ein schwacher Abglanz von dem, was einst war.

Lehrer und Schüler der Kampfkünste sollten das Potential ihrer Kampfkunst ausschöpfen. Natürlich gibt es Regeln, die im sportlichen Wettkampf beachtet werden müssen. Wettkämpfe sind wichtig, der wichtig um der Kampfkunst zu mehr Popularität zu verhelfen. Sie dürfen aber nicht zum Selbstzweck werden.

Daher dürfen dem Schüler durch Regeln verbotene Techniken nicht vorenthalten werden. Neben einer ungemeinen Bereicherung des Trainings erfährt der Schüler auch einen ungleich breiteren Einblick in das Wesen seiner Kampfkunst was ihm schließlich zu einem tieferen Verständnis verhilft und seine Technik insgesamt positiv beeinflussen wird.

geschrieben von: marco am: 15.01.2014
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Kommentare

Dem kann man Zustimmen, beschränkt man sich auf den Wettkampfsport. Allerdings betreiben die meisten Kampfsportler und asiatischen Kampfkunstübenden ihren Sport als Freizeitsport. Hier können neben den klassischen sportlichem Techniken auch realistischere und effizientere trainiert werden. Ich betreibe seit vielen Jahren Jiu-Jitsu, vorher Taekwondo. Aus der Kombination, Nah- und Distanzkampf habe ich einen Weg gefunden, um mich auch in Notwehrsituationen probat verteidigen zu können. Einziges Manko von uns Sportlern ist, dass uns der typische “ Schläger“ gedanklich weit voraus ist und meistens völlig emphatielos handelt. .

Marco hat es sehr treffend beschrieben. Und machen wir uns nichts vor, ein Gewalttäter, ein richtiger Gewalttäter, mit Erfahrung im „Leute-kaputt-machen“, der lässt sich weder von exotischen Namen beeindrucken, noch von irgendwelchen wilden Kampfstellungen oder sonst etwas. Was ihn beeindrucken kann, was ihn daran hindern kann auf jemanden los zu gehen? Wenn er merkt das sein Gegenüber über die gleichen Fähigkeiten verfügt Gewalt auszuüben und vor allem das der Gegner auch die Bereitschaft, die im Zweifelsfall gnadenlose Bereitschaft dazu hat. Und das merkt man, jeder richtige Kämpfer, nein, ich meine keineswegs jetzt nur Kampfsportler, merkt das sofort, ganz sicher. Hier im Budoten-Blog gibt es des öfteren Anfragen von wegen welcher Stil ist effektivste, gefährlichste, etc., etc. Es gibt eine Menge Literatur, Bücher zum Thema Selbstverteidigung. Gut aufgemacht, tolle Bilder, oftmals voll am Leben vorbeigehend. Will Ich damit sagen Kampfkunst/Kampfsport taugt nicht zu echter realistischer Selbstverteidigung? Nein, aber das Meiste was in Schulen und Vereinen an Training angeboten wird ist guter und effektiver Sport, um als echtes System für SV tauglich zu sein, bedarf es einiger Veränderungen. Da muss man mehr lernen als die Dinge die auf der Matte, im Ring und auf Meisterschaften mit Sport-spezifischen Regeln funktionieren. Ich meine das absolut unabhängig vom Stil. Zwar sind Stile die im Vollkontakt praktiziert werden vorteilhaft, aber auch hier herrschen zum Teil versportlichte Gebräuche vor. Stile wie MMA, Wing Tsun/Chun, Krav Maga usw. bereiten recht gut auf die „Straße“ vor, verweisen aber selbst darauf, dass ein Kampf mit einem Schläger auch mentale Vorbereitung erfordert. Welche? Skrupellosigkeit, kein Mitleid, erbarmungslos sein Ding durchziehen. Jetzt höre ich schon die Stimmen mit Empörung:“Was ist mit Verhältnismäßigkeit, dem Notwehrparagraphen 32 StGB , was ist mit Fairness????? Vergesst es! Bevor mich jetzt jemand als Kriegstreiber und Gewaltverherrlicher abstempelt, ich arbeite für die Justiz, Notwehrparagraphen und Verhältnismäßigkeit sind mein täglich Brot! Aber Ich bin auch Kampfsportler und musste mein Können im Rahmen des unmittelbaren Zwangs oft genug anwenden, gegen Gewalttäter? Oh ja. Und ich unterrichte auch Selbstverteidigung, stillos, offen und zum Teil nach guter alter Manier. Warum ich von Erbarmungslos rede? Auf der Straße, in der Bar, wo auch immer, gibt es nur eins: Überleben! So unbeschadet wie möglich! Vergesst alle Actionfilm-Romantik, ein echter Kampf mit einem Schläger macht keinen Spaß und man fühlt sich auch als Sieger hinterher garantiert nicht gut. Es ist egal was Sie trainieren, trainieren Sie es richtig und konsequent und trainieren Sie richtig für Kampf. Echte Selbstverteidigung ist purer Kampf! Versuchen Sie nicht irgendwelche spektakulären Techniken als Show zu praktizieren, womöglich um zu zeigen wie toll Sie das können. Ziehen Sie durch ohne Gnade, wenn Sie dann Herr der Lage sind, können Sie überlegen ob Sie die Polizei und einen Krankenwagen herbei rufen, oder ob Sie fliehen. Auf der Straße rate ich immer zu letzterem. Ich rate zur AAA-Methodik. Abhauen, zum Arzt und zu einem Anwalt. Abhauen bewahrt vor weiteren Blessuren, eventuell gibt es noch mehr Gegner, der Arzt kann Verletzungen behandeln und dokumentieren und der Anwalt weiß was weiter zu tun ist. Überzogen meinen Sie? Eine winzig kleine Geschichte, aus Erkenntnissen der Justiz, hat so schon mal stattgefunden. Ein Kampf, Schläger gegen Kampfsportler, Kampfsportler gewinnt gut und souverän, hört auf als er siegt und geht erleichtert nach Hause. Bekommt Besuch wegen Körperverletzung von der Polizei, der Schläger ist sehr erfahren vor Gericht und hat einen guten Anwalt. Der Kampfsportler muß sich vor Gericht verantworten, Tatvorwurf:Gefährliche Körperverletzung! Zeugen? Oh ja, alle habe eine andere Version vom Kampf, aber alle haben gesehen das der Kampfsportler sein „Opfer“ hat liegen lassen und einfach weg ging. Das Ende der Geschichte? Ein Kampfsportler, der sich wirklich nur verteidigt hat, bekommt eine Bewährungsstrafe und hat Gerichtskosten und Schmerzensgeld zu zahlen. Hätte er die AAA-Methode angewandt, sein Anwalt hätte seinerseits Anzeige erstattet, der Arzt hätte Verletzungen geltend machen können, hätte das Ganze ganz anders ausgehen können. Zeugen, auch hier ein Rat aus Erfahrung, sind so eine Sache, was sie am Tatort sagen und was vor Gericht, dass kann völlig unterschiedlich sein. Um sich aber wirklich gegen jemanden im Kampf verteidigen zu können, der sehr erfahren in der Ausübung von Gewalt ist, da muss man trainieren. Kampfsport, Selbstverteidigung, Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer(Laufen) und Härte. Eine gewisse Form von Vollkontakt ist unentbehrlich. Der Stil? Das muss jeder für sich selbst entscheiden. Das Training an sich muss eine Intensität haben wie früher bei den Gladiatoren. Nein, Sie sollen nicht in die Arena, obwohl „Straße“ nicht viel anders ist. Und denken Sie an die AAA-Methode, man sollte wissen, auch mit einer Bewährungsstrafe ist man vorbestraft! Gleichzeitig ist nichts dümmer als in einem Kampf gegen einen Gewalttäter sich über Verhältnismäßigkeit Gedanken zu machen! Auch muss man jede Martial Arts-Film Romantik vergessen, echtes Kämpfen ist definitiv nicht schön. Ganz schön kompliziert das Ganze, oder? Sollte die Sache vor Gericht kommen, dann werden Sie überrascht sein. Sie wollen Kampfkunst/Kampfsport trainieren um sich richtig verteidigen zu können? Tun Sie es, aber tun Sie es richtig und denken Sie daran, die Sache ist auch mit einem Sieg oft noch nicht erledigt. Und unterschätzen Sie niemals einen Schläger, niemals!!!!!!!

Sehr gut geschrieben. Es gibt den fairen Kämpfer nicht mehr, der einen angreift. Entweder voll durchziehen oder wenn es noch geht abhauen. Bevor man es vielleicht mit seinem Leben bezahlt. Und fair Kämpfen auf der Strasse bringt nichts, außer das man untergeht. Man kann heute soweit schon gehen, wenn man angegriffen geht es um Dein Leben bzw. ob Du danach im Rollstuhl vielleicht sitzt oder nicht. Leider ist es so geworden, die Leute ticken aus.

Sehr geehrter Herr Brauckmann, besser hätte ich es nicht schreiben können. Leider ist es so. Dem kann man nichts hinzufügen.
Ein Dank für Ihr Kommentar.

Ein sehr guter Kommentar, Herr Brauckmann. Allerdings mache ich mir etwas Gedanken bezüglich Ihres Beispieles und der AAA-Methode. Ich frage mich, wie die Geschichte ausgegangen wäre, wäre der Verteidiger vor Ort geblieben und hätte nicht nur erste Hilfe geleistet, sondern hätte direkt Polizei und Notarzt für den Aggressor „bestellt“. Schließlich besteht die realistische Möglichkeit, daß ein liegengelassener Angreifer verstirbt und auch wenn er sich durch sein Verhalten als A…..loch geoutet hat, ist er immer noch ein Mensch. Und in einer hilflosen Situation. Da könnte ich es nicht mit meinem Gewissen vereinbaren, aus Angst vor jusristischer Auseinandersetzung das erste „A“ nämlich „Abgehauen“ zu sein. Und ich spreche hier aus durchaus Erfahrung. Denke, daß diese Verhaltensweise meine Version in der Btreffenden Erfahrung damals vor Gericht gestützt hat. Es gab nämlich keine Zeugen, die meine Notwehrhandlung bestätigen konnten.

Die von Ihnen geäußerte Sichtweise ist auch richtig, Herr Sallwey. Ich vertrete meine Meinung mit der Sichtweise des Angegriffenen, als der der sich verteidigen muss, weil da einer kommt der es unbedingt wissen will. Natürlich ist ein Gewalttäter auch immer noch ein Mensch, dem erste Hilfe im Bedarfsfall zusteht. Und genau hier ist der Knackpunkt: Es ist immer, restlos immer eine Entscheidung des Einzelfalles. Und es geht um mein Leben, meine Gesundheit. Wenn ich das in Frage stelle zu der Gesundheit und dem Leben eines Gewalttäters, der mich zu einem Kampf und zur Selbstverteidigung zwingt, dann geht mir meine Gesundheit und mein Leben vor. Und wenn ich die Befürchtung habe, da kommen noch mehr von seiner Sorte, Vergebung, dann sollte man erst einmal verschwinden. Wie ich schon erwähnte, ich arbeite für die Justiz und ich unterrichte dienstlich und auch im privaten Bereich SV. Es geht mir nicht darum jemanden umkommen zu lassen, aber wenn ich mich verteidigen muss dann kommt erst einmal meine Unversehrtheit und dann, erst dann mache ich mir Gedanken um das Wohl und Weh meines Angreifers. Fairness und Menschlichkeit sind gut, gut ist auch wenn man sich von irgendwelchen Schlägern in seiner Vorgehensweise unterscheidet, aber man muss aufpassen das man durch Rechtschaffenheit nicht noch auf andere Art zum „Opfer“ wird. Denn wie ich sagte, auf der Straße gibt es keine „Martial-Arts-Filmromantik“. Es geht darum heile da raus zu kommen. Ein Freund vom SEK, der ebenfalls SV unterrichtet, der vertritt meine Meinung übrigens genauso. Er ist bei Einsätzen schon so schwer verletzt worden das er nicht sicher war ob er jemals wieder trainieren , bzw. sich „normal“ wieder bewegen kann. Ein Credo meinerseits innerhalb der Justiz ist: „Heile rein und möglichst genauso heile wieder raus! Dann alles Weitere!“ Ihre Einstellung ist korrekt und gut, ich hoffe nur das Sie damit niemals die falsche Entscheidung treffen und mal so enden wie mein Freund. Zum Glück ist er größenteils wieder genesen und kann mit minimalen Einschränkungen wieder trainieren und auch unterrichten. Wenn man sich aber die Narben seiner Verletzungen ansieht……….., dann muss man den Gedanken an Verhältnismäßigkeit und den Schutz von Gewalttätern nochmal überdenken.

Eine kleine Ergänzung: Auch wenn die Situation auf die „ganz normale“ Erste Hilfe reduziert wird, so gilt der Grundsatz: Eigensicherung geht vor!
Die Eigensicherung ist der aktive Schutz über geeignete vorbeugende Maßnahmen die Gefahren für Leib oder Leben abzuwenden.
Wenn man selbst um das eigene Leben oder die eigene Gesundheit fürchten muss, kann man keine effektive Erste Hilfe leisten. Niemand ist in gefährlichen Situationen verpflichtet, andere unter Einsatz seines Lebens oder seiner Gesundheit zu retten oder zu schützen.

Sascha hat es kurz und prägnant ausgedrückt, was ich mit dem ersten „A – Abhauen“ meiner AAA-Methode sagen wollte, Eigensicherung! Darum geht es. Es geht auch nicht um die Angst vor einer Auseinandersetzung juristischer Art vor Gericht. Es geht um heil und unversehrt bleiben, am Leben zu bleiben! Es ist eine Einzelfallentscheidung, ich erwähnte es schon. Wenn ich einen Kampf mit einem Aggressor hatte, den Kampf gewonnen habe, erkenne das ich keiner weiteren Gefahr ausgesetzt bin, keine weiteren Angreifer, mein Gegner liegt verletzt am Boden, ich bin „Herr der Lage“, selbstverständlich kann ich einen Krankenwagen rufen. Die Polizei aber unbedingt auch. Und ganz unbedingt auch meinen Anwalt, das dritte „A“. Recht haben und Recht bekommen sind nicht dasselbe. Sollte die Angelegenheit vor Gericht kommen, versuchen Sie ja niemals sich selbst zu vertreten. Auch mit der Polizei würde ich erst im Beisein meines Rechtsbeistandes den Sachverhalt zu Protokoll bringen. Ist nur ein Rat, muss man nicht befolgen. Recht haben und Recht bekommen. ……., ja ich weiß, sagte ich schon. Und wenn einer aus der Justiz so eine Meinung vertritt dann hat hat das Gründe.
Man gestatte mir noch ein Wort zum oft falsch verstandenen Begriff Verhältnismäßigkeit. Wann muss man eigentlich Verhältnismäßigkeit wahren? Da kommt einer, aggressiv und sehr gewalterfahren, hemmungsloser, zwingt mich um mein Heil, um mein Leben zu kämpfen. Ich kämpfe und kann froh sein nicht unter zu gehen. Glaubt wirklich einer da könnte ich mir Gedanken um Verhältnismäßigkeit machen??????? Wenn ich der Überlegene bin, dann kann ich Verhältnismäßigkeit wahren. Auch hier gilt erst einmal das Prinzip der Eigensicherung. Heile bleiben! Ich kann niemals ausschließen das ich mich in Notwehr verteidige und trotzdem, ich spreche von Notwehr!, verurteilt werde. Es kann sich vor Gericht als nachteilig erweisen Kampfsportler/Kampfkünstler zu sein. Die Sichtweise bei den Ermittlungen und die Sichtweise der rechtspechenden Instanz sind ebenfalls jedesmal eine Entscheidung des Einzelfalles. Aber, es ist besser so heil und gesundwie nur eben möglich verurteilt zu werden, als wegen unangebrachter Zurückhaltung in einem Kampf als Pflegefall zu enden. Zugesprochenes Schmerzensgeld ersetzt keine Gesundheit. Wenn mein Gegner ein Sozialfall ist, kann und muss er gar nicht bezahlen. Klar, ich kann mir einen Titel holen, für den Fall das er mal ein regelmäßiges Einkommen hat. Oftmals ein schickes Dokument, kann man sich einrahmen lassen und im Wohnzimmer aufhängen, ohne jemals Entschädigung zu bekommen!!!!!!! Man bedenke was die Führung der Polizei nach den Sylvester-Unruhen in Köln gesagt hat. Um einen aggressiven Gewalttäter, der sich weigert den Anordnungen der Polizei Folge zu leisten und sich mit Gewalt der Festnahme widersetzt, vorläufig festzunehmen, braucht es für einen Randalierer „4!“ Polizisten. „4!“, noch Fragen zum Thema Verhältnismäßigkeit? Ich betone es noch einmal, ich will nicht Gewalt propagieren, aber im Falle von Selbstverteidigung muss ich für einen Aggressor so „ungenießbar“ wie nur eben möglich sein. Das kann bedeuten das mein Gegner verletzt wird damit ich unverletzt bleibe. So sieht Selbstverteidigung aus und kein Grundsatz der Verhältnismäßigkeit setzt das außer Kraft. So unterrichte ich SV. Herrn Sallweys Bedenken sind gut und richtig, aber wenn es um das eigene Leben und die eigene Gesundheit geht, dann sind sie sekundär! In Einsätzen und in Situationen der Selbstverteidigung halte ich nach wie vor mein Credo ganz hoch : Heile rein und so heile wie möglich wieder raus!

Entschuldigung, daß erst so verspätet antworte, ich schaue nicht so regelmäßig hier im Blog vorbei. Für die in meinen Augen diesmal eindeutige klärende Erläuterung ihrer im ersten Blogeintrag getätigten Aussagen möchte ich mich herzlich bedanken und kann Ihnen nur zustimmen. „Heil wieder raus“ und „Einzelfallentscheidung“ sind genau die Knackpunkte. Ich hatte sie ursprünglich so verstanden, als sei eine generelle Methode daraus zu machen, einfach zu verschwinden.
Ich habe nach dreißig Jahren Pausen im gesetzten Alter von fast 50 Jahren wieder mit Ju-Jutsu Training begonnen, welches ich mit 20 auf der Stufe des 2. Kyu abgebrochen habe. Zum einen hat sich Ju Jutsu sehr verändert, zum anderen versuche ich mich auch noch im Shotokan-Karate. Dort werden Dinge wie ein Tritt ins Kniegelenk als Konter gegen einen Fauststoß gezeigt. Leider ohne Erläuterung des Notwehrparagraphen. Ohne Zweifel ist das SV, und zwar äußerst effektiv. Ist je nach vorangegangener Situationsentwicklung m.M.n. auch vertretbar. Aber m.E. sollte das dann aber auch im Unterricht erläutert werden. Bisher war ich der Meinung, mit Kenntnis des Inhaltes des Notwehrrechts und entsprechender Darlegung bei der polizeilichen Vernehmung, warum das jeweilige Vorgehen in einer SV-Situation zweckmäßig und Verhältnismäßig war, wäre es getan. Wenn Sie als Profi allerdings raten, immer einen Anwalt schon bei der Vernehmung beizuziehen, ist das ein Rat, den ich für hoffentlich nicht eintretende Situationen beherzigen werde. Ich war schon in dieser Situation und hatte entweder Glück oder ein gutes Gespür bei der Vernehmung, daß mir aus Nichtanwesenheit eines Anwaltes keine Nachteile erwachsen sind.
Wie man sieht, ist dies Thema durchaus ein sehr heißes Eisen, in dem vor allem Gesetzgeber und Richter gefordert sind, einen Balanceakt zu Wahrung der Interessen aller hinzubekommen. Und ansonsten gilt natürlich bei jeder jusristischen Auseinandersetzung (Nicht nur beim SV.Thema). „Auf hoher See und vor Gericht, bist Du in Gottes Hand“.
Sportliche Grüße
Peter Sallwey

Hallo Herr Sallwey, alles gut. Das ist ein sehr schwieriges Thema, bei dem es nur sehr selten eindeutige Präzedenzfälle gibt. Jeder Kampf, jede Auseinandersetzung ist ein Fall für sich mit ungewissem Ausgang, der noch dazu von verschiedensten Faktoren abhängt und beeinflusst wird.
Und Sie haben recht, auf hoher See und vor Gericht sind wir in Gottes Hand. Aber eben nicht nur da, sondern in jedem Moment unseres Lebens. Und eben, um beim Thema zu bleiben, in jedem Moment wo wir kämpfen oder uns verteidigen müssen weil da einer kommt der………!
Gestatten Sie mir noch ein paar kleine Hinweise.
Erst einmal finde ich es gut das Sie wieder mit dem Training angefangen haben. Das Alter ist völlig egal, wichtig ist das Sie mit Bedacht trainieren und auf Ihre eigenen körperlichen Gegebenheiten und Fähigkeiten achten. Beständig arbeiten und nichts übers Knie brechen. Konstantes Training ist wichtig. Man trainiert seinen Stil, seine Stile, man arbeitet an seiner Kraft, seiner Ausdauer und auch an seiner Gelenkigkeit. Und dann beschäftigt man sich mit Selbstverteidigung. Egal wo und bei wem. Es kann auch bei jemandem sein, der meinen Stil, meine Stile für nicht gut und nicht effektiv erachtet. Mein Credo diesbezüglich ist, von Leuten die meine(n) Stil(e) ablehnen, oder die mich im Kampf schlagen wollen, von denen kann ich für Selbstverteidigung mehr lernen als von Freunden und Trainingskollegen die meine Kampftechnik gut finden. Das gilt auch für Lehrer die explizit SV unterrichten. Trainieren Sie, dass ist erst mal wichtig. und ob Selbstverteidigung oder nicht, dass Ganze darf auch einfach Spaß machen. Freude an der Sache, dass ist essentiell wichtig, selbst wenn man wie ich den „ganzen Kram“ beruflich braucht. Leute, die Kampfsport/Kampfkunst nur trainieren um sich ein bisschen verteidigen zu können, ohne den Kampfsport/die Kampfkunst zu lieben, die hören sowieso mehr oder weniger schnell wieder auf.
Und ja, der Kampfsport hat sich vielfach verändert, oft zu versportlicht, es geht oft nur um Medaillen, Titel, Verbandsgeplänkel und so weiter. Es sollte immer darum gehen die Trainierenden zu souveränen Experten zu machen, die ihren Stil beherrschen, ihn gut praktizieren und anwenden können. Die fit in den theoretischen Belangen ihres Kampfsports/ihrer Kampfkunst sind. Die mit wachsendem Können auch immer besser selbst andere unterrichten können. Ich sagte „oft“, nein, ich habe nichts gegen Wettkampf-Erfolge und ich wollte auch nicht sagen das Kampfkunst/Kampfsport heute generell schlecht(er) geworden ist. Aber es fehlt bei vielen Schülern auch vielfach der Enthusiasmus, die Hingabe zum Training. Ich selbst trainiere seit Ende der 70er Jahre, früher wurden die meisten Kampfsportarten meiner Meinung nach ausführlicher unterrichtet, vielfach waren Graduierungsprüfungen anspruchsvoller. Nach Erkenntnissen der heutigen Trainingslehre war damals natürlich einiges falsch, auch das ist richtig. Natürlich gibt es heutzutage auch sehr gute Lehrer, Schulen, Clubs und Vereine, dass steht außer Frage. Wichtig ist das Sie trainieren und sich mit SV befassen.
Die von Ihnen angesprochenen Notwehrparagraphen, die können natürlich im normalen Training nicht immer angesprochen werden. Die sollten bei explizitem SV-Training mit vermittelt werden. Die sollte man sich selbst auf Dauer verinnerlichen. Aber, großes Aber……………, nicht vergessen, heile rein in die Auseinandersetzung und so heile wie nur möglich auch wieder raus. Gegen einen Gewalttäter können Sie sich während des Kampfes keine Gedanken über Notwehrparagraphen und Verhältnismäßigkeit machen. Tut Ihr Angreifer auch nicht und um souverän verhältnismäßig zu sein, da müssen Sie Ihrem Angreifer aber schon sehr überlegen sein. Glauben Sie einem der genug mit Gewalttätern zu tun hat. Wichtig ist zu wissen wann man aufhören muss. Aufhören, dass wäre quasi das 4. A meiner AAA-Methode, „A“bhauen, zum „A“rzt und zum „A“nwalt.
Damit komme ich zu dem Punkt, an dem ich Leuten immer rate im Beisein des eigenen Anwaltes eine Aussage zu Protokoll zu geben. Aber natürlich kann man auf sein „Bauchgefühl“ hören und schon alleine eine Aussage bei der Polizei machen. Ist Ihr „Straßen-Sparringspartner“ schon polizeilich bekannt, wird das die Beamten mit Sicherheit veranlassen Ihnen genau zuzuhören und Ihnen zu glauben, auch wenn der Andere mehr Blessuren hat. Nun ist es aber so das ein Straftäter recht regen Kontakt mit seinen Anwälten/Verteidigern hat. Und diese, seine Rechtsvertreter sind eventuell viel schneller auf der Polizeiwache als man glaubt und sie wissen wie man agiert, die notwendigen Anträge für die kommende Gerichtsverhandlung stellt, zum Beispiel. Und plötzlich muss man sich vielleicht fragen lassen ob denn das alles so richtig war, was man da angegeben hat. Und auch vor dem Richter werden zu Protokoll gegebene Aussagen oft nochmal hinterfragt, man antwortet bei späteren Vernehmungen oft ganz anders als bei der ersten, Erinnerungen verschwimmen und so weiter. Es ist nur ein Rat und absolut verbrieft eines Jedermanns Recht Aussagen im Beisein eines Rechtsbeistandes zu machen. Ein Anwalt ist da um Ihre Interessen und Ihre Rechte zu vertreten und zu schützen, ich wollte es nur nochmal gesagt haben. Auch mein Freund von Seiten der Polizei rät in seinen SV-Kursen immer dazu einen Anwalt bei solchen Angelegenheiten hinzuzuziehen.
Wie ich sagte, wichtig ist zu trainieren und auch Spaß dabei zu haben. Wenn Sie durch Ihr Training richtig gut sind und das auch ausstrahlen, dann hält das so manchen davon ab „sein Mütchen an Ihnen kühlen“ zu wollen. Und ein vermiedener Kampf ist der beste Kampf.
Mit sportlichem Gruß zurück
Frank Brauckmann

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