Kann Kihon Kata ersetzen? Was ist überhaupt Kata?

karate-kinderDiese zwei Fragen bewegen viele Anhänger der asiatischen Kampfkünste, denn das Formentraining ist nahezu allen asiatischen Kampfkünsten gemein. Ob es um die Formen im Wushu oder Taichi geht, die Poomse oder Hyong aus dem Taekwondo oder die Kata in den aus Japan und Okinawa stammenden Kampfkünsten – alle Formen dienen dem gleichen Zweck.

Durch die Kata soll die Essenz der Kampfkunst weitergegeben werden. Die Techniken sind so zusammengefügt, dass der Schüler die Möglichkeit erhält verschiedene Kombinationen zu üben, die natürlich auch alle praktische Anwendungsbeispiele haben. Es geht dabei cm erster Linie um die Perfektion der Bewegungsausführung. Drehungen, Wendungen gehören ebenfalls dazu.

Eine Form ist immer der stilisierte Kampf gegen mehrere imaginäre Gegner. Durch intensives Wiederholen und fortgesetztes Üben soll der Schüler die Bewegungsabläufe verinnerlichen um diese schließlich frei im Kampf anwenden zu können.

Die heute bekannten Kampfkünste umfassen meist die Kampftechniken verschiedener Schulen, die im Laufe der Zeit integriert wurden. Wenn in früheren Zeiten in einer Schule nur drei Formen unterrichtet wurden, so erlernt heute beispielsweise im Karate jeder Schüler um die 20 Kata.

Unnötig darauf hinzuweisen, dass die Qualität der Ausführung und des Trainings allein aufgrund der Fülle zwangsläufig beeinflusst wird. Es macht schon einen Unterschied, ob man in zehn Jahren drei Kata erlernt oder zwanzig Kata übt. Je mehr Kata man übt, desto weniger Zeit bleibt für die einzelne Kata übrig, um so weniger Zeit hat man, sich intensiv mit den Feinheiten der jeweiligen Form zu beschäftigen.

Oft wird darauf hingewiesen, dass in den Formen „Geheimwissen“ versteckt sei. Ich bin davon überzeugt, dass das wahre Geheimnis in der richtigen Bewegungsausführung liegt. Es geht nie um Schönheit der Form sondern immer um deren Effektivität. Leider sind viele Athleten und Trainer nur darauf bedacht, den Kampfrichtern zu gefallen. Die Folge: Sie verändern die Formen …

Die richtige Bewegungsausführung erlernt man nur durch intensives Training, durch Beobachten, durch das Arbeiten an der Form. Die moderne Sportwissenschaft hilft, Bewegungsabläufe zu verstehen, zu analysieren, die Muskelarbeit und das Zusammenspiel der einzelnen an der Bewegung beteiligten Muskelgruppen zu verbessern und damit die Technik zu perfektionieren. Früher gab es hierfür nur ein einziges Mittel: Wiederholung, Wiederholung und nochmals Wiederholung. Insofern kann – ein entsprechend ausgebildeter und sensibilisierter Lehrer vorausgesetzt – das Training heute effizienter gestaltet werden. Dies erlaubt es zugleich in kürzerer Zeit mehr Formen zu erlernen, als dies früher möglich war, was die jeweiligen Kampfkünste ungemein bereichert.

In den einzelnen Techniken und Kombinationen der Formen enthaltene Anwendungsmöglichkeiten, sind letztlich nur durch unsere eigene Vorstellung begrenzt. Wer sich intensiv mit den einzelnen Formen beschäftigt, wird schon bald eine Vielzahl von praktischen Anwendungen entdecken – einfache und offensichtliche Anwendungsbeispiele ebenso wie scheinbar versteckte. Aber im Grunde ist nichts versteckt, man muss nur genau hinsehen und manchmal bedarf es auch eines entsprechenden Hinweises um die Aufmerksamkeit auf ein bestimmtes Detail zu richten. Anders ausgedrückt sind die oft „geheimen“ Anwendungen nichts anderes als Facetten der jeweiligen Technik, Variationen, die die Form und damit die Kampfkunst selbst bereichern.

Kommen wir zum ersten Teil der Frage, zu der Frage, ob Kihon Kata ersetzen kann. Kihon, also die Grundschule, bildet die Grundlage für Kata (Form). Nachdem die Grundlagen gelernt sind, kann man sich an Größeres wagen.

Ich denke daher, dass man diese Frage mit einem klaren Nein beantworten kann und muss.

Doch halt! Aber ja, natürlich … rein theoretisch ist doch Kata nichts anderes als Grundschule, Grundtechniken die sinnvoll aneinander gereiht wurden, um dem Schüler das Erlernen der Kampfkunst zu erleichtern. Was anderes als Grundtechniken, auch Grundtechniken in Kombination, übt man in der Kata? Man praktiziert mit der Kata doch eigentlich bereits nichts anderes als Grundtechniken – und da soll die Kata nicht durch Grundtechniken ersetzt werden können?

Das ist doch ein Widerspruch in sich oder?

Ich glaube nein. Warum sollte man etwas Gutes und Bewährtes durch etwas Unerprobtes und höchstwahrscheinlich sogar Unvollständiges ersetzen?

Die Formen beinhalten alles, was der Schüler zum Erlernen seiner Kampfkunst braucht. Er lernt die Techniken korrekt auszuführen, übt sich gut ergänzende Kombinationen, lernt die richtige Ausführung von Drehungen und Wendungen, den Kampf gegen mehrere Gegner, perfektioniert seine Atmung, schult den Rhythmus seiner Techniken und nicht zuletzt auch seine Koordination.

Nicht von ungefähr haben sich die überlieferten Formen über Jahrhunderte hinweg immer weiter entwickelt, wurden perfektioniert und verbessert, um durch das Üben der Form ein Maximum an Trainingsfortschritt zu ermöglichen.

Jede Form hat ein besonderes Ziel. Die eine legt die Grundlage für eine effektive Fortbewegung, für Drehungen und Wendungen. Die nächste Form lehrt vertieft bestimmte schwierige Techniken und Kombinationen. Wieder andere Formen sind zum Erlernen der korrekten Atmung und der korrekten Körperspannung sowie für den speziellen Muskelaufbau nicht nur eine große Hilfe sondern sogar unerlässlich.

Kaum jemand kann für sich in Anspruch nehmen über so viel Weitblick und tiefe Einsicht in das Wesen der Kampfkunst zu verfügen, dass er in der Lage wäre, all dies durch Grundschultraining auf gleiche umfassende Weise zu erreichen, wie dies durch die Formen bereits gewährleistet ist.

Insofern erscheint es nicht sehr sinnvoll, das Fahrrad ein zweites Mal erfinden zu wollen anstatt auf das Bewährte zurückzugreifen und nach weiteren sinnvollen Ergänzungen und vielleicht sogar Verbesserungen zu suchen.

Erfindungen werden weiterentwickelt. Manchmal wird die gleiche Erfindung zweimal gemacht, jedoch werden klug handelnde Leute eine gute Erfindung anderer nicht allein deshalb ablehnen, weil es nicht ihre eigene ist. Vielmehr werden sie daran arbeiten, eventuelle Schwachstellen aufzudecken um die Erfindung zu vervollkommnen. Dies war in den Formen bisher nicht anders und ich glaube, dass es auch gut ist, wenn an dieser Tradition weiterhin festgehalten wird.

geschrieben von: marco am: 8.01.2014
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