Kata oder Kumite? Was soll ich trainieren?

practicing KarateEs darf weder der Kata noch dem Kumite ein Vorzug gegeben werden. Kata ist die Basis, die Grundschule. Kumite wiederum ist die praktische Anwendung des zuvor Erlernten.

Im Kumite wird die Theorie in die Praxis umgesetzt. Leider verstehen viele dies jedoch nicht.

In Japan habe ich immer wieder gehört, wie wichtig die Kata sei. Die Lehrer werden dort nicht müde, ihre Bedeutung zu betonen und die Schüler verinnerlichen dies auch. Keiner käme auf die Idee Kata oder Kumite allein zu üben, da sie sich so eines wichtigen Teils ihres Trainings berauben.

Die Kata ist Training des eigenen Selbst, des Herzens, wie die Japaner sagen. Eine Kata ohne Herz ausgeführt ist kalt und ausdruckslos. Sie ist dann nur eine Abfolge von Techniken, denen jegliches Leben, jede Eigenständigkeit fehlt.

Kumite wiederum ist ohne Herz oder Leidenschaft ebenso kalt und bleibt an Äußerlichkeiten wie fest eingeübten Standardkombinationen hängen. Es fehlt dem Kämpfer jede Flexibilität und was noch viel wichtiger ist die Entschlossenheit und das nötige Selbstbewusstsein und Vertrauen in die eigene Technik. Der Kämpfer ruht nicht in sich selbst sondern ist leicht aus der Ruhe zu bringen.

In der Kata jedoch lernt der Kämpfer zunächst einmal sich selbst zurückzunehmen, sich nicht von äußeren Einflüssen ablenken zu lassen, sondern seinen Blick auf sich selbst zu richten, sich auf sich selbst zu konzentrieren. So ist die Technik am Ende nicht mehr nur das Ergebnis einer bloßen Muskelanspannung, nein auch die Konzentration ist voll und ganz auf die Technik selbst fokussiert, was sich letztlich im Kiai, der Vereinigung von Körper und Geist manifestiert.

Im Kumite kann man keine Technik lernen. Kumite ist die Anwendung der Technik. Deshalb kann Kumite weder über die Kata gestellt noch vor der Kata geübt werden. Ohne die erforderlichen Grundlagen ohne ausreichende Vorbereitung ist jedes Unternehmen im Voraus zum Scheitern verurteilt und sollte doch einmal etwas gelingen, so ist dies nicht etwa Ergebnis des eigenen Könnens sondern nur glücklichen Umständen zuzuschreiben.

Als ich einmal sagte, dass mir Kumite nicht so liege und ich doch lieber Kata üben würde, entgegnete mir mein Lehrer, dass ich in diesem Fall doch etwas mehr Kumite üben müsse und zwar so lange, bis mir das Kumite auch gefallen würde. Sobald mir das Kumite besser als Kata gefiele, müsse ich wiederum mehr Kata üben und umgekehrt.

Auch in Japan sind mir immer wieder Karateka begegnet, die Kata oder Kumite bevorzugen. Dies führte aber bei keinem zu der irrigen Annahme, dass sie deshalb den jeweils anderen Teil vernachlässigen könnten. Ganz im Gegenteil. Und selbst wenn, so achten die Trainer sehr darauf, dass Kumite und Kata in einem ausgewogenem Verhältnis im Training vorkommen. Ungleichgewichte führen im Training ebenso wie im Alltag nicht nur zu Ungerechtigkeiten sondern auch und insbesondere zu schlechten, weil unausgewogenen, Resultaten.

Ob jemand Kumite oder Kata bevorzugt, hat im Grunde zwei wesentliche Ursachen. Einerseits ist es der Trainer, der sein Training einseitig zu sehr auf Kata oder Kumite fokussiert. Andererseits ist es der Charakter des einzelnen Karateka, den letztlich niemand verleugnen kann. Wer andere ungern verletzt oder selbst ungern verletzt wird, gibt dem Kumite eher nicht den Vorzug. Umgekehrt werden Menschen, die sich gern direkt mit anderen messen, ihre eigene Überlegenheit demonstrieren wollen, ihre Schnelligkeit und Körperkraft unter Beweis stellen wollen, eher nicht die Kata sondern doch eindeutig dem Kumite den Vorzug geben.

Kata ist (richtig ausgeführt) Kumite. Kumite ist jedoch niemals Kata.

geschrieben von: sascha am: 10.07.2013
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