Pausen im Training

Karate male fighter young high contrast on black background.Jeder kennt die Situation im Training … Da kämpft man sich schon seit gefühlt einer Stunde ohne Pause ab. Der Schweiß fließt in Strömen, der Trainingsanzug ist so durchnässt, dass er wie eine zweite Haut am Körper klebt. Die Muskeln sind erschöpft. Die Beine haben Mühe einen Schritt nach vorn zu gehen geschweige denn noch einen Fußtritt zum Kopf auszuführen, die Arme sind bleischwer, so dass es schon eine echte Anstrengung ist, die Deckung hochzuhalten. Das Herz rast, die Lungen können gar nicht schnell genug neuen Sauerstoff aufnehmen, um den Körper ausreichend zu versorgen, der Blick ist schon ein wenig glasig und nimmt die Umgebung nur noch verschwommen wahr. Es fällt schwer, das Gleichgewicht zu halten … Doch der Lehrer macht keine Anstalten eine Pause einzulegen. Er zählt unbarmherzig weiter und schon muss der Körper die nächste Technik-Kombination ausführen, schon müssen die Beine ausweichen, um dem Angriff des Partners zu entgehen …

Das ist so der Moment, wo sich im Kopf nur noch ein Gedanke breit macht: ‚Wann endlich hat die Tortur ein Ende? Wann endlich gibt es eine Pause?’

Irgendwann schallt dann das Kommando des Lehrers durch die Halle und alle sind froh, erlöst von den Qualen der letzten Übung. Endlich Pause! Endlich ein wenig Ruhe!

… Klar es ist nur eine kurze Unterbrechung, da das Training ja noch längst nicht vorüber ist, doch wenigstens für den Augenblick … Ruhe …

Viele hält in diesem Moment nichts mehr und sie lassen sich gehen. Die einen setzen sich auf den Boden, andere stehen, den Oberkörper weit vornübergebeugt und stützen sich mit den Händen auf den Oberschenkeln ab, andere legen sich gar hin … Allen ist die Erleichterung anzumerken, dass die Qualen vorbei sind. Alle gönnen sich und ihren gequälten Gliedern die wohlverdiente Pause

Doch gerade diesen Anblick mag kein Lehrer der Kampfkünste. Alle Schüler zeigen in diesem Moment nichts anderes als ihre Schwäche. Sie zeigen, dass sie am Ende sind, dass sie nicht mehr können, dass sie die Pause herbeigesehnt haben …

Nun mal ehrlich – warum lässt der Lehrer so etwas dann zu? Ganz einfach: Eine Pause muss sein, denn irgendwann geht es nicht mehr. Allerdings ist die Frage, wie die Pause verbracht wird, auch eine Frage des Trainings. Auch die Pause ist Bestandteil des Budo-Trainings und sollte damit auch den Geist der Kampfkünste widerspiegeln. Die oben beschriebene Situation tut dies keinesfalls.

Mein Lehrer fordert auch während der Pause strikte Disziplin. „Pause ist Bereitschaft,“ sagt er. Bereit zu sein für den nächsten Angriff, für die nächste Übung. Die Pause ist keine Gelegenheit, Schwäche zu zeigen sondern die Chance Stärke zu demonstrieren, Wachheit und Bereitschaft zu üben. Daher besteht er wie schon seine japanischen Lehrer zuvor darauf, dass sich niemand in den Pausen gehen lässt und seiner Erschöpfung nachgibt. In der Pause erwartet er, dass alle in Bereitschaft stehen, ganz so wie am Beginn der Übungsstunde, bereit sich den Herausforderungen zu stellen. Einen kleinen Unterschied gibt es jedoch: Am Anfang des Trainings sind alle noch frisch und ausgeruht. Da fällt es wahrlich nicht schwer, auf diese Weise Bereitschaft zu demonstrieren. Nach den harten und anstrengenden Übungen im Training ist das schon etwas anderes. Da bedarf es wirklich Willenskraft, sich zu zwingen, die eigene Erschöpfung nicht zu zeigen sondern stattdessen Stärke zu demonstrieren. „Konzentriert Euch auf Eure Atmung!“ höre ich meinen Lehrer immer wieder sagen, wenn er seinen Schülern eine solche „Pause“ im Training gönnt. Und tatsächlich: Durch die Konzentration auf die Atmung gelingt es, Herz- und Atemfrequenz zu senken. Durch eine aufrechte Haltung, die Wachheit und Bereitschaft demonstriert, gelingt es Stärke zu zeigen und die eigene Erschöpfung und Schwäche zu verbergen.

Warum das Ganze? In dem Maße, wie man im Kampf seine eigene Erschöpfung zeigt, wachsen dem Gegner neue Kräfte zu, da er sich seinem Ziel näher sieht denn je. Gerade deshalb sollte man nie seine Schwäche zeigen. Sich in den Pausen ruhig und bereit zu zeigen, ist eine gute Übung dafür.

Eine kurze Begebenheit am Schluss, die mein Lehrer immer gern erzählt. Es war wohl ein besonders hartes und schweißtreibendes Training in der Hitze des Sommers und der japanische Lehrer, den sie alle fürchteten und nur als „Tier“ bezeichneten, forderte das allerletze. Mein Lehrer war am Ende seiner Kräfte und wollte eigentlich schon aufgeben, doch seinen Trainingskameraden neben sich sehend dachte er: „Bevor der nicht aufgibt, gebe ich auch nicht auf.“ Irgendwann war das Training dann zu Ende und völlig erschöpft ließen sich die Männer ins Gras sinken und tauschten sich über das Training aus. Mein Lehrer fragte seinen Trainingskameraden, wie er das Training empfunden habe, ob ihm das Training überhaupt nichts ausgemacht habe … „Doch,“ erwiderte dieser, „ich war völlig fertig. Aber ich habe mir gesagt, bevor Du nicht aufgibst, gebe ich auch nicht auf.“ Auf diese Weise haben sich beide unwissentlich gepusht und dank der Kraft des anderen das Training überstanden ohne vor allen anderen ihre Erschöpfung durch Aufgabe eingestehen zu müssen.

Ich bin mittlerweile auch der Überzeugung, dass Pausen, in denen Bereitschaft und Stärke demonstriert werden, ein wichtiger Bestandteil des Trainings sind. Zum einen kann hierdurch der Charakter und der Willen trainiert werden, zum anderen erlaubt eine aufrechte Körperhaltung ebenso eine bessere Erholung als eine zusammengekrümmte Haltung, die das Atmen erschwert. Sicher ist es nach anstrengenden Einheiten angenehm, sich einfach auf dem Boden auszustrecken, doch andererseits kann man lernen Haltung zu bewahren und sich nicht einfach gehen zu lassen, wenn man aufrecht stehen bleibt und bereit ist, das Training jederzeit fortzusetzen.

geschrieben von: sascha am: 5.05.2016
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