Professionelles Sportmanagement ist auch für kleine Vereine wichtig

Sport FitnessDer Vereinssport steht definitiv vor neuen Herausforderungen. Das liegt an vielerlei Gründen, die auch eng mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammenhängen. Zum einen suchen die Leute, die (potentiellen) Vereinsmitglieder, heutzutage mehr Flexibilität. Allerdings bindet ein gewöhnlicher Verein Mitglieder an feste Zeiten. Sowas wird nicht mehr gewollt. Zum anderen ist die Zeit der ehrenamtlichen Helfer vorbei, was im Rückschluss bedeutet, dass den Sportmanagern eine zentrale Rolle zukommt. Die Vereine müssen sich heute auch als Dienstleister sehen und den Mitgliedern mehr bieten – keine stinkige Vereinskneipe oder miefige Umkleiden. Auch steigende Energie-, Miet- und Immobilienpreise drängen kleine Vereine an die Wand.

Interview mit Rainer Berger, Diplom-Sportwissenschaftler, Gesundheitsexperte und Teamtrainer sowie Dozent für Sport- und Eventmanagement an der International Business School Nürnberg

Thema: Sterben die Sportvereine bald aus?

Herr Berger, aktuell wird darüber diskutiert, ob der Vereinssport vom Aussterben bedroht ist, beispielsweise die Nürnberger Zeitung berichtete darüber am 21. Januar 2014. Was denken Sie darüber?

Der Vereinssport steht definitiv vor neuen Herausforderungen. Das liegt an vielerlei Gründen, die auch eng mit dem gesellschaftlichen Wandel zusammenhängen. Zum einen suchen die Leute, die (potentiellen) Vereinsmitglieder, heutzutage mehr Flexibilität. Allerdings bindet ein gewöhnlicher Verein Mitglieder an feste Zeiten. Sowas wird nicht mehr gewollt. Zum anderen ist die Zeit der ehrenamtlichen Helfer vorbei, was im Rückschluss bedeutet, dass den Sportmanagern eine zentrale Rolle zukommt. Die Vereine müssen sich heute auch als Dienstleister sehen und den Mitgliedern mehr bieten – keine stinkige Vereinskneipe oder miefige Umkleiden. Auch steigende Energie-, Miet- und Immobilienpreise drängen kleine Vereine an die Wand.

Was bedeutet das für das zukünftige Handeln der Vereine?

Dem Verein muss es gelingen, kommerzielle Strukturen anzunehmen, ohne, dass das Herz des Vereins dabei verloren geht. Das ist allerdings nur durch eine Professionalisierung des Vereinssports möglich. Es ist wichtig, dass Leute entsprechend ausgebildet werden, um die Vereine und damit den Vereinssport zu retten! Hier setzt zum Beispiel die International Business School Nürnberg an, wo ich unterrichte. Durch die Studienrichtung Sportmanagement und speziell das Fach Vereinssport, reagiert die IBS auf das Thema und zieht sozusagen engagierte und kompetente Sportmanager heran. Die Studenten lernen Probleme im Sportmanagement, auch insbesondere im Vereinssport, zu identifizieren und sie zu managen. Durch die Kombination aus betriebswirtschaftlichen Know-how und der Kompetenz, dem Verständnis vom Sport werden sie dazu ausgebildet, Führungsaufgaben in Vereinen zu übernehmen und die Professionalisierung voranzutreiben.

Warum lohnt sich in Ihren Augen eine Rettung der Vereine durch Professionalisierung?

Dass der Sport positive Einflüsse auf die physische und psychische Gesundheit der Menschen hat, ist die eine Seite. Auf der anderen Seite, darf der Vereinssport aus sozialen Gesichtspunkten nicht sterben. In einer immer individuelleren und damit auch egoistischeren Welt, wo das Gemeinschaftsgefühl immer mehr in den Hintergrund rückt, ist es wichtig, den Vereinssport als gesellschaftlichen Connector zu halten. Vereine sind das Herz einer Gesellschaft und ein Stück emotionale Heimat für jeden. Genau das zeichnet Vereine aus. Vereinssport ist auch gerade für die Persönlichkeitsentwicklung von Kindern und Jugendlichen sehr wichtig.

Wenn die Sportvereine das Herz einer Gesellschaft sind, wie Sie sagen, hat doch auch die Gesellschaft eine Mitverantwortung, die Vereine zu retten, richtig?

Die gesellschaftliche Verantwortung ergibt sich definitiv. Stadt, Wirtschaft und Sportmanager sind gefordert gemeinsame Ideen und Lösungswege zu finden. Das Team Nürnberg, als Initiative für den Sport hier in der Region, kann eine solche Antwort darauf sein, wie Vereine gerettet werden können und wie Spitzensportler in einer Region gehalten werden können. Aber es müssen auch neue Wege seitens der Vereine gegangen werden, z.B. die kommerzielle Sportstättenvermietung, durch die Reduzierung der Energiekosten (z.B. durch nachhaltiges Management) und durch die bereits erwähnte Professionalisierung. Die Vereine müssen mehr Leistung zeigen, mehr präsentieren und kreativ sein, bei der Frage, welche Wege sie in Zukunft gehen könnten.

Quelle: openPR

geschrieben von: sascha am: 7.04.2014
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