Selbstverteidigung und Kampfsport

selbstverteidigung„Klassische Kampfkünste sind für Zwecke der Selbstverteidigung ungeeignet,“ ist immer wieder zu hören. Stimmt diese Aussage? Was ist denn besser geeignet? Das erst jüngst neu entwickelte System von Großmeister Max Möchtegern?

Betrachten wir die Geschichte der Kampfkünste so stellen wir rasch fest, dass es in der Geschichte stets nur einen Grund für die Entwicklung von Kampftechniken gegeben hat: der Wunsch nach einem effektiven Schutz, die Suche nach der ultimativen Kampftechnik, die denjenigen der sie erlernt und beherrscht unbesiegbar macht. Das ist bei den neuen Kampfsystemen ganz genauso wie bei den alten. Und eben weil es diese ultimative Kampftechnik noch nicht gibt, gibt es auch so viele verschiedene Stile und Schulen.

In den vergangenen rund 5000 Jahren wurde die ultimative Kampfkunst trotz intensivter Forschung nicht gefunden und dabei war die Notwendigkeit für eine solche ultimative Kampfkunst anders als heute in früherer Zeit eine Frage des Überlebens.

Moderne Selbstverteidigungskünste nehmen für sich in Anspruch leicht erlernbar zu sein und nur die wirklich effektiven Techniken aus den alten klassischen Sytemen übernommen zu haben, Techniken, die immer funktionieren sollen. Doch wer entscheidet, was effektiv ist, immer funktioniert? Es kommt doch immer und in erster Linie auf die Person an, die die Kampfkunst ausübt. Jedem liegen andere Techniken. Was bei den einen funktioniert, bekommt ein anderer überhaupt nicht auf die Reihe … Insofern ist es immer Ansichtssache, was effektiv ist.

Eines kann und muss man in Bezug auf moderne Selbstverteidigungssysteme gegenüber den klassischen Kampfkünsten allerdings zugeben: sie sind leichter zu erlernen. Sie erfordern weit weniger Anstrengung und Zeit. Aber was bedeutet das umgekehrt? Schnell und leicht erworbenes Wissen und Können sind meist ebenso schnell wieder verloren wie sie zuvor erworben wurden.

Viele Selbstverteidigungsschulen werben damit, dass sie schnell und leicht zu erlernen seien. Entsprechend gibt es Crash-Kurse, die das System in acht, vier teilweise auch nur zwei Wochen oder gar nur vier Wochenenden zu vermitteln vorgeben. In solch kurzer Zeit kann man keine der klassischen Kampfkünste erlernen. Man plagt sich viel mehr immer noch mit den einfachsten Grundtechniken ab, während man im Selbstverteidigungskurs schon jede Menge Tricks und Kniffe gelernt hat.

Die alles entscheidende Frage ist jedoch, ob das im Selbstsverteidigungskurs mit einem meist mitspielendem Partner Erlernte im Ernstfall erstens abrufbar ist und zweitens dann auch mit einem nicht mitspielenden Gegner funktioniert. Die Selbstverteidigung ist aus meiner Sicht in erster Linie ein psychologisches Problem. Wenn der Kopf angesichts der realen Gefahr plötzlich leer ist, nutzt die zuvor erlernte effektivste Selbstverteidigung der Welt nichts mehr.

Ich sehe zudem die Gefahr, dass sich viele aufgrund des besuchten Selbstverteidigungskurses überschätzen.

In den klassischen Kampfkünsten ist zwar im Vergleich ebenso die Gefahr der Selbstüberschätzung gegeben, allerdings in weitaus geringerem Umfang. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass die Techniken im Ernstfall auch abrufbar sind, schätze ich bei den klassischen Kampfkünsten zudem als deutlich höher ein. Sicher, man wendet erheblich mehr Zeit zum Erlernen einer Technik auf, aber ist es nicht gerade das ständige Wiederholen ein und derselben Technik, durch welches sich die Technik einprägt, der Ablauf mehr oder weniger automatisiert wird. Immer und immer wieder wird geübt, beispielsweise einen Fauststoß zum Kopf auf verschiedene Weise abzuwehren und den Angriff zu beantworten. Die in einer nahezu realen Situation auf den Kopf zustoßende Faust ist für den Anhänger der klassischen Kampfkünste ein ganz normales Ereignis, das ihn im Ernstfall keineswegs mit etwas Neuen, bisher noch nicht Bekanntem konfrontiert.

Wenn man die Aussage auf „klassische Kampfkünste sind nichts für kurze Selbstverteidigungskurse“ reduziert, so wäre dieser Aussage ganz sicher zuzustimmen. Um eine erfolgreiche Selbstverteidigung zu ermöglichen, erfordern klassische Kampfkünste einfach zu viel Zeit und Anstrengung. Wenn es um die Frage der Effektivität geht, so bin ich davon überzeugt, dass sich Beständigkeit am Ende auszahlt.

Bis auf ganz wenige Berufe sind reine Selbstverteidigungskurse ohnehin an sich nur bedingt sinnvoll. Sie vermitteln ein Gefühl von Sicherheit und geben mehr Selbstvertrauen. Im Ernstfall besteht jedoch die Gefahr, dass sie wegen Überschreitung der Grenzen des Notwehrrechts mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Sie haben nur die effektivsten Techniken erlernt und haben in der Regel nicht die Möglichkeit, ein milderes, dem Angriff angemessenes Mittel zu wählen.

Die Gefahr, dass man sich wirklich einmal verteidigen muss, ist wohl eher als gering einzuschätzen. Statt Selbstverteidigungskurse wären wohl eher Kurse zum Erkennen und Vermeiden von möglichen Gefahrensituationen sinnvoll. Allerdings ist dies natürlich dem Kunden nicht zu vermitteln. Die Selbstverteidigungsschulen geben dem Kunden das, wonach er verlangt: Kniffs und Tricks, um sich gegen Angriffe zu verteidigen. Die bittere Wahrheit, dass dies alles eigentlich im Ernstfall möglicherweise mangels Erfahrung oder aufgrund der das Denken beherrschenden Angst sowieso nicht funktioniert, verschweigen sie lieber. Dies zu äußern wäre ja nicht nur geschäftsschädigend, nein, es ist auch eine Tatsache, die Kunden überhaupt nicht hören wollen. Und wenn sie es doch hören, dann gehen sie zu der Schule, die vorgibt ihre Wünsche erfüllen zu können.

Die klassischen Kampfkünste sind nichts für Leute, die nur mal schnell kämpfen lernen wollen. Sie sind auch nichts für Leute, die nur lernen wollen, sich zu verteidigen. Die klassischen Kampfsportarten vermitteln aber solide Grundkenntnisse in Bezug auf die Kampfkunst. Sie helfen auch das eigene Können richtig einzuschätzen und damit aus Selbstüberschätzung erwachsende Gefahren zu vermeiden. Nach genügend Training sind klassische Kampfkünste für Selbstverteidigungszwecke ebenfalls hervorragend geeignet. Zwar ist Fähigkeit zur Selbstverteidigung eher quasi ein Nebenprodukt des Trainings, jedoch wissen Schüler der klassischen Kampfsportarten für gewöhnlich genau über die Wirkung der Techniken bescheid und werden gerade deshalb und wegen ihrer Ausbildung versuchen, eine Gefahrensituation von vornherein zu vermeiden.

Letztlich sollte jedem eines bewusst sein: kein einziges noch so prall gefültes Portemonnaie ist es wert, die eigene Gesundheit auf’s Spiel zu setzen und womöglich für immer zu ruinieren.

geschrieben von: sascha am: 4.09.2013
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Kommentare

Absolut richtige Einstellung

Daumen hoch, sehr richtig dargestellt.

Super Text. Das ist seit Jahren mein Reden. Würde gerne den Autor kennenlernen zwecks persönliches Gespräch.

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