Shotokan Karate ist doch nur Schattenboxen – oder?

karate-kinderWarum werden im Shotokan Karate die Techniken abgestoppt? Vollkontakt ist doch etwas anderes … Kann man mit einem solchen Schattenboxen überhaupt richtiges Karate lernen? … oder sitze ich hier nur einem Missverständnis auf? Bitte klärt mich in dieser Frage auf. Danke.

Shotokan ist im klassischen Sinne betrieben kein Vollkontakt-Karate. Das Ziel wird „vorverlagert“.

Das Treffen des vorgelagerten Zieles mag dem Unbewanderten wie ein in die Luft-Schlagen erscheinen … Andere sagen, die Technik wird vor dem Ziel abgestoppt … Beide Ansichten sind falsch!

Im Shotokan-Karate kommt der Kontrolle der Technik oberste Priorität bei. Kontrolle ist etwas anderes. Kontrolle bedeutet weder in die Luft-Schlagen. Kontrolle ist auch kein Schattenboxen und Kontrolle ist auch kein Abstoppen.

Kontrolle bedeutet, dass man das eigentliche Ziel bewusst vorverlagert und dieses imaginäre Ziel anstelle des eigentlichen Zieles mit aller Kraft trifft. Die Kraft der Technik entfaltet daher dort anstelle des eigentlichen Zieles ihre ganze Kraft.

In die Luft-Schlagen und Schattenboxen haben in Bezug auf den Wert für den Trainingsfortschritt den gleichen Wert – nämlich keinen nennenswerten. Beim Abstoppen verpufft die Energie des Schlages und der Kämpfer wird niemals lernen, seine Schlagenergie auf das Ziel zu übertragen.

Im Shotokan Karate wird mit voller Kraft angegriffen und genau jenes imaginäre, vorverlagerte Ziel getroffen. An dieser Stelle kommt die eingangs bereits erwähnte Kontrolle ins Spiel, die für einen effektiven Schlag so wichtig ist. Kontrolle ist nämlich nicht mit Abstoppen zu verwechseln.

Kontrolle bedeutet, dass man in der Lage ist, genau jenes Ziel zu treffen, dass man auch treffen wollte. Die Kontrolle der Technik ermöglicht es auch die Technik willentlich ins Ziel zu führen und den Gegner im Ernstfall effektiv wirkungsvoll zu treffen. Letzteres ist beim Üben des Abstoppens der Technik oder durch Training des Schattenboxens nie erreichbar.

Hinter dem klassischen Shotokan Karate steht das Ippon-Prinzip: Ein Schlag, eine Technik entscheidet den Kampf oder um es noch drastischer zu formulieren: MIt einem Schlag töten …

Bevor ein Schlag kontrolliert ausgeführt und willentlich gesteuert genau die Kraft im Ziel entfalten kann, die wir freisetzen wollen, bedarf es langer Übung. Das Ergebnis dieser Übung ist jedoch über jeden Zweifel erhaben.

Vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen aller Karatestile an der Long Island Universität New York haben belegt, dass die Techniken des Shotokan Karate die Biomechanik optimal berücksichtigen und darüber hinaus voll den physikalischen Gesetzmäßigkeiten entsprechen, mehr als die Techniken jedes anderen Karatestils.

Insofern hätte einem Kämpfer, der Shotokan korrekt übt, die besten technischen Voraussetzungen. Ob er diese aber letztlich auch zu seinem Vorteil nutzen kann ist eine andere Sache. Denn Tatsache ist auch, dass die Fähigkeiten eines Kämpfers nicht von seinem Werkzeug sondern von seinen Fähigkeiten und vor allem von seinem Trainingseifer bestimmt werden.

geschrieben von: sascha am: 26.06.2014
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