Struktur chinesisch geprägter Kampfkunst-Familien

kungfu (14)Aufgrund einer fehlenden exekutiven Gewalt wurde Kampfkunst in ihren Anfängen ausschließlich zum Schutz der Familie weitergegeben. Ältere Familienmitglieder unterrichteten die Jüngeren, dadurch entstanden Anreden für Schüler und ihre Lehrer, die bis heute Gültigkeit haben.

Anfänger in der Kampfkunst und Außenstehende tun sich zu Beginn oft schwer, all diese Titel zu verstehen. Daher im Folgenden ein kurzer Überblick über die kantonesischen Bezeichnungen, die darauf zurückzuführen sind, dass die ersten Europäer auf die Menschen aus dem Süden Chinas trafen.

? Sijo
Der Begründer einer Kampfkunst bzw. eines Kampfkunstsystems und gleichzeitig Familienoberhaupt wird als Sijo bezeichnet.
Nach dem Tod erhalten außergewöhnliche Kampfkunstlehrer häufig den umgekehrten Titel „Josi“, was übersetzt „Ahnenlehrer“ bedeutet.

? Sifu
Sifu bezeichnet den Lehrer, bei dem der Schüler eine Ausbildung in der Kampfkunst beginnt und setzt sich aus „Si“ für „Lehrer“ und „Fu“ für Vater zusammen.
Der in die Kampfkunst-Familie aufgenommene Schüler gilt unabhängig von seinem tatsächlichen Lebensalter als Kampfkunst-Kind. Selbst dann, wenn der Sifu eigentlich jünger als sein Schüler ist. Maßgeblich sind das Alter in der Kampfkunst, also die Erfahrung, sowie die Graduierung.

Lehrer werden auch außerhalb der Kampfkunstfamilie als Sifu betitelt, allerdings mit einer etwas anderen Aussprache und mit einem anderen chinesischen Schriftzeichen für „Fu“. Zumeist wird der Vorname des Lehrers hinten angestellt, um vom eigenen Sifu zu unterscheiden. Dies wird auch bei den noch folgenden Anreden so gehandhabt.

? Sigung
Sigung bedeutet „Lehrer Großvater“ und bezeichnet den Sifu des Sifus, also den Lehrer des Sifus.

? Simu
Die Simu ist die „Lehrer Mutter“. Traditionell bezeichnete man damit die Ehefrau des Sifus, die sich in traditionellen Kampfkunstschulen um die Lehrer wie um die Schüler kümmerte. Sie nähte, kochte und wusch für die gesamte Kampfkunst-Familie, wodurch auch sie sich verdient machte und einen Ehrentitel erhielt.
In der heutigen Zeit findet man unter den weiblichen Kampfkunstlehrern sowohl die Bezeichnung „Sifu“ als auch „Simu“ – je nach Vorliebe.

? Sihing / Sije
Der in der Kampfkunst erfahrenere und somit ältere Mitschüler, der nicht nur höher graduiert ist, sondern gleichzeitig auch unterrichtet, heißt Sihing. Dies bedeutet „Lehrer und älterer Bruder“.
Das weibliche Gegenstück, also „Lehrer und ältere Schwester“, ist die Sije.

? Sidai / Simei
Schüler, die in Kampfkunstjahren zwar noch jünger sind, aber ebenfalls bereits unterrichten, werden mit Sidai, was für „Lehrer und jüngerer Bruder“ steht, und Simei, also „Lehrer und jüngere Schwester“, bezeichnet.

? Sibak / Sigu
Sibak ist der Sihing des Sifus, übersetzt „Lehrer und älterer Onkel“. Sigu bezeichnet die Sije des Sifus, bedeutet folglich „Lehrer und ältere Tante“.

? Todai
Der Meisterschüler ist der Erbe seines Sifus. Während einer traditionellen Teezeremonie erhält er den Titel Todai, welcher im Gegensatz zu den vorangegangenen Bezeichnungen nicht als Anrede dient.

? Weitere Bezeichnungen in der Kampfkunst-Familie
Wie in einer Blutsfamilie gibt es auch in der Kampfkunst-Familie weitere Bezeichnungen für die unterschiedlichen familiären Positionen. Sie finden allerdings eher wenig Gebrauch in der Kampfkunst.
Hervorzuheben wäre indes noch die einfache Bezeichnung für „Lehrer“, welche „Iao Shi“ lautet und durchaus in den chinesischen Kampfkünsten Verwendung findet.

Warum ist ein solcher Titel so außergewöhnlich?

Eine Frage, die sich besonders Außenstehende immer wieder stellen, wenn ein Schüler seinen Lehrer auch außerhalb des Dojos mit dessen Titel anspricht. „Das würde ich nie machen!“, lautet die häufige Aussage.
Für den Schüler selbst hingegen ist es unvorstellbar, seinen Lehrer mit dem Vornamen anzusprechen. Weshalb ist das so?

Ein Titel wird nur dann verliehen, wenn der künftige Träger sich über Jahre hinweg loyal und zuverlässig um die Kampfkunstschule verdient gemacht hat. Zudem bringt ein solcher Titel eine beträchtliche Verantwortung mit sich – nicht nur für sich selbst, sondern für die gesamte Kampfkunst-Familie einschließlich aller Schüler und der eigenen Lehrer, die man nicht enttäuschen möchte.

Es ist eine große Ehre, eines solchen Titels für würdig befunden zu werden. Und es ist Zeichen von Respekt seitens der Schüler, diesen Titel als Anrede zu gebrauchen – in der Kampfkunst-Schule, aber auch im Supermarkt.

Sportakademie Richter
Moerser Straße 225
47475 Kamp-Lintfort

Quelle: openPR

geschrieben von: sascha am: 24.02.2013
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