Taekwondo zur reinen Verteidigung?

Ist Taekwondo ein Kampfsport, der rein zur Verteidigung gedacht ist? Gibt es da viele Selbstverteidigungselemente?

Wir müssen da wohl zwischen Taekwondo als Kampfsport und dem Taekwondo als Kampfkunst unterscheiden. Das Taekwondo der WTF (World Taekwondo Federation aus Südkorea) ist sehr stark wettkampfgeprägt. Im Gegensatz dazu gibt es das Taekwondo der ITF (International Taekwondo Federartion aus Nordkorea) welches sich wohl deutlich mehr als Kampfkunst versteht.

Ursprünglich hat das Taekwondo die gleichen Wurzeln und es gab im Grunde keinen Unterschied, jedoch strebte Südkorea an Taekwondo olympisch zu machen. Neben der ohnehin schon vorhandenen politischen Trennung vertiefte dies die Spaltung im Taekwondo selbst. Viele Taekwondo-Aktive der ITF lehnen das von der WTF praktizierte Taekwondo ab, da es ihrer Meinung nach stark verwässert sei und nicht mehr die Bezeichnung Taekwondo verdiene.

Darüber kann man geteilter Auffassung sein. Tatsache jedoch ist, dass es im Sport immer um gewinnen oder verlieren geht. Damit verbunden sind auch ganz spezifische Entwicklungen. Es werden Regeln aufgestellt, die bestimmte Techniken verbieten, Wertungen für bestimmte Techniken vorgeben. Die Folge ist: Die Wettkämpfer trainieren so, dass sie im Wettkampf die größt möglichen Erfolge erzielen können. Sie eliminieren daher Techniken, die verboten sind. Ebenso werden Techniken, mit denen nur schlecht Wertungen zu erzielen sind aus dem Trainingsprogramm gestrichen und Techniken, die nur kleine Wertungen ermöglichen aus dem Repertoire verbannt. Die Folge ist klar: Die Kunst verliert ihren Reichtum an Techniken, was sehr schade ist.

Ursprünglich war Taekwondo so wie alle anderen Kampfkünste übrigens auch natürlich zur Verteidigung geschaffen worden. Es ging darum, Gegnern, die teils sogar schwer bewaffnet waren, die Stirn bieten zu können, sich gegen sie zu verteidigen. Hierzu war Taekwondo ein adäquates Mittel.

Dass nun im Sport-Taekwondo viele Techniken nicht mehr enthalten sind heißt nun nicht zwangsläufig, dass dieses zur reinen Verteidigung gänzlich ungeeignet wäre. Das ist mitnichten der Fall. Jedoch ist ein nicht Wettkampf-orientiertes Taekwondo natürlich deutlich freier in der Wahl der Techniken und Mittel. Deshalb dürfte das Training in einem traditionell ausgerichteten Verein bzw. einer traditionell ausgerichteten Taekwondo-Schule die richtige Wahl sein, wenn es darum geht, Taekwondo als Verteidigungskunst zu erlernen.

geschrieben von: ralphp am: 14.10.2012
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Kommentare

Sehr guter Beitrag. Hätte ich selbst nicht besser schreiben können.
Hinzufügen möchte ich noch, dass es allein nur die Techniken nicht ausmachen. Zur Selbstverteidigung gehört noch erheblich viel Hintergrundwissen / Theorie dazu.
-Notwehr
-Einschätzen unterschiedlicher Situationen
-Deeskalation
-Verhaltensweisen
-Opferverhalten / Killerinstinkt
-Hemmschwellen
-etc. pp.

Auch das sollte ein wichtiger Bestandteil der Selbstverteidigungsausbildung sein.

Und letztendlich kommt es natürlich auf die trainierende Person selbst an.

Michi hat insgesamt recht und die wesentlichen Dinge benannt. Trotzdem möchte ich anmerken das es bei echter Selbstverteidigung wichtig ist das man seine Techniken beherrscht und gelernt hat sie rigoros anzuwenden. Nein, ich will nicht zu Gewalt oder unbeherrschtem Vorgehen aufrufen. Ich arbeite im Strafvollzug mit sehr schwierigen Gefangenen und habe reichlich Erfahrung mit „unmittelbarem Zwang“, so heißt es bei uns wenn wir Hand anlegen müssen. Verhältnismäßigkeit ist wichtig, dass rein praktische Können aber definitiv noch mehr. Wenn ich eine Auseinandersetzung mit einem richtigen Gewalttäter habe kann ich mir über falsch und richtig keine Gedanken mehr machen. Ich muss kämpfen, richtige Selbstverteidigung ist totaler Kampf bei einem gefährlichen Gegner. Heile bleiben und überleben ist alles! Dann muss mein Taekwon-Do/Taekwondo, oder welche Kampfkunst auch immer, funktionieren. Notwehrparagraphen und die Dinge die Michi aufzählte sind gut und wichtig, wenn ich gewonnen habe, Herr der Lage bin, dann sollten sie wieder beachtet werden. Es geht mir nicht darum jemandem etwas anzutun, aber es ist schlecht verletzt oder getötet zu werden weil man sich über Gesetze oder Verhältnismäßigkeit im falschen Moment Gedanken gemacht hat. Meine Kampfkunst sollte hervorragend trainiert sein und gut funktionieren.
Ansonsten ist der Beitrag über Taekwon-Do von Ralphp hervorragend geschrieben und spricht alle wesentlichen Aspekte an. Egal welches Taekwon-Do man betreibt, man sollte sich in jeder Distanz behaupten können. Und alle körpereigenen Waffen, Fäuste, Fingerspitzen, Handkanten und -ballen Ellenbogen, Knie und Füße sollte man benutzen können. Selbstverteidigung hat wenig mit Wettkampfsport zu tun, auch wenn man Erfahrung im Vollkontakt hat. Letzteres ist sehr nützlich, aber bei SV gibt es keine Regeln. Einer der Leute mit denen ich viel trainiert habe, er war aus dem Ving Tsun, sagte es so: „Kein Stil lehrt dich was zu tun ist wenn dir jemand von hinten eine Bierflasche über den Kopf schlagen will. Du kannst nur so gut wie möglich trainieren, den Angriff hoffentlich rechtzeitig bemerken und dich so gut wie möglich dagegen wehren.“ Nicht umsonst gibt es sowohl im olympischen Taekwondo, dass eher wettkampforientiert ist, als auch im klassischen Taekwon-Do den Bereich Hosinsul-Selbstverteidigung. Die Leute aus dem klassischen System haben immer schon Beziehung zum Kickboxen gehabt um durch Training mit Kontakt(Semi-, Leicht- und/oder Vollkontakt) mehr Effektivität bei den Techniken zu haben. Einige, ich selbst auch, haben sogar Muay Thai trainiert, nicht für Erfolge im Wettkampf sondern für mehr Funktion in der Selbstverteidigung. Was ansonsten sehr hilfreich sein kann ist Training mit Leuten, die von Selbstverteidigung wirklich praktische Kenntnisse haben. egal welchen Stil diese Leute betreiben. Man kann nur davon profitieren. Man sollte sein Taekwon-Do, welches System auch immer, so gut wie möglich trainieren, es zu beherrschen lernen. Das Ziel aller Kampfkünste. Und sich dann richtig mit SV beschäftigen. Verschiedene Systeme des Wing Chun, des Krav Maga oder des MMA, wenn es nicht nur auf Kämpfen vor Publikum ausgelegt ist, bieten da sehr gute Möglichkeiten sein Taekwon-Do „schärfer“ zu machen. Viele bieten rein auf SV ausgelegte Lehrgänge an, offen für alle Stile. Natürlich gibt es auch SV-Experten aus dem Taekwon-Do. Und es ist nicht falsch sich Innovation von anderen zu holen. Ich liebe mein klassiches Taekwon-Do, seit 40 Jahren betreibe ich es und würde es niemals aufgeben. Um zu verstehen was ich meine ist vielleicht ein Ausspruch vom Begründer des Shotokan Karate Gichin Funakochi hilfreich: „Die Grundtechnik darf sich niemals ändern, die Kampftechnik muß sich immer ändern!“

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Chinesische Waffen


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