Welche Erfahrungen habt Ihr mit Wing Tsun?

Ist das nur was für Schüler oder in welchem Alter kann man das am besten erlernen und ausführen. Was für Erfahrungen habt ihr allgemein mit Wing Tsun, wie hoch ist der Spaßfaktor verglichen mit anderen solchen Kampfarten?

Wing Tsun ist altersunabhängig. Spaß kann man hier wie in jeder anderen Kampfsportart auch haben.

Wing Tsun soll der Legende nach von einer Frau, eine Nonne geschaffen worden sein, um sich gegen die von Natur aus stärkern Männer besser verteidigen zu können. Der Hauptschwerpunkt liegt demnach klar im Bereich Selbstverteidigung.

Nach einem unglaublichen Hype in den 90ern ist es um Wing Tsun wieder etwas ruhiger geworden. Wing Tsun wurde als DIE Selbstverteidigung verkauft, zu der es keine Alternativen gäbe, da alle anderen Kampfsportarten nicht einmal annähernd in der Effektivität an Wing Tsun herankämen…

Doch das ist natürlich alles Blödsinn. Jeder Kampfkunst ist natürlich immer nur so gut wie der, der sie ausübt. Man kann Kampfsysteme nicht wirklich miteinander vergleichen, sondern nur einzelne Kämpfer.

Wing Tsun ist heute eine Kampfkunst neben vielen anderen. Jede Kampfkunst hat ihre Besonderheiten und insofern ist die für Dich persönlich wohl wichtigere Frage die nach der Kampfsportart, die Dir selbst am besten liegt. Dabei spielen jedoch die Gruppe und der Lehrer eine weit größere Rolle.

Ein guter Lehrer versteht es seine Schüler zu begeistern und in ihnen ungeahnte Potentiale und Fähigkeiten zu wecken, während ein schlechter Lehrer einem alles vergraulen kann.

Ich empfehle Dir, einfach einmal hinzugehen und bei einem Probetraining mitzumachen. Höre auf Dein eigenes Herz und nicht so sehr auf die Meinungen anderer. Man sollte sich selbst ein Urteil bilden und wie kann man dies besser tun, als durch eigene Anschauung und Erfahrung …

geschrieben von: ralphp am: 3.09.2010
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Kommentare

Der Fehler liegt im Detail. Es wird Kamfsport und Kampfkunst in einen Topf geschmissen. Kampfsport ist übertrieben gesagt „punkteorientiert“ – sportlich fair Treffer landen ohne weh zu tun. Dementsprechend werden Bewegung und Muskeln „geschult“.
Kampfkunst oder Selbstverteidigung bedeutet, Treffen und Gegner weh tun. Hier geht es nicht vorrangig um Sportlichkeit und Graduierung sondern um die effektive Abwehr realistischer Angriffe.
Heißt nicht, dass sich ein guter Kampfsportler nicht verteidigen kann. ;-)
Man muss wissen, was man mit welchem Aufwand erreichen und können möchte. Und Spaß machen muss es.

PS Wenn das ein WT-Tritt auf dem Bild sein soll, dann ist der falsch. ;-)

Ich war mal bei einer WT Schule zum Probetraining und das war absolut nicht mein Ding,kurz gesagt : zu wenig „action“.
Es gab kein richtiges Aufwärmen mit Kraft und Konditionsübungen,keine Dehnübungen….
Als wir dann einen 5-er Kick zig mal nacheinander gemacht haben und es eigentlich bei fast allen nur noch Rumgeeier war,wusste ich,dass das nicht mein Ding ist.
Ich möchte Techniken erstmal beherrschen und dann an die Ausdauer gehen,nicht vorher.
Vermutlich glauben viele in der Gruppe,dass sie sich gegen einen Angriff auf der Strasse verteidigen können aber das ist nur eine Illusion.
Mag sein,dass das bei anderen Schulen anders vermittelt wird,aber ich bin dann zum Wun Hop Kuen Do gegangen und trainiere seit dem dort,ist ne ganz andere Geschichte.Hier wird viel Wert auf körperliche Fitness gelegt,ausserdem ist das Angebot sehr gross ( Kung-Fu,Kickboxen,Tai Chi,Power-hour ).
Am besten testen,sage ich immer.
Gruss
Ingo

„Ich war mal bei einer WT Schule zum Probetraining und das war absolut nicht mein Ding,kurz gesagt : zu wenig “action”.“

Zu wenig Action“. Dann warst Du in einer „Fit for Fun WT-Schule“. Die WT-Schule in der ich trainiere gehört zur EWTO. Alles was Du lernst wird in Vollkontakt (mit Schutzausrüstung) umgesetzt. Ich habe selbst mal Muay Thai gemacht, das war zwar härter, aber nach Regeln. Würde ich das WT im Ring machen, wäre mein Gegner schwer verletzt. Augenstiche, Kehlkopfschläge, Sacktritte, alles äußerst effektiv aber im Sport verboten. Der Sportler kämpft nach Regeln, der WTler, um auf der Straße im Ernstfall zu überleben. Jeder muß wissen was er will, Sport oder Selbstverteidigung.

Ich würde auch sagen ausprobieren und sehen wo man sich wohl fühlt. Ob man mit dem Lehrer, im Wing Tsun, dem SiFu, oder, wenn noch nicht so hoch in der Rangstellung, Sihing genannt, gut auskommt. Es gibt verschiedene Stilrichtungen mit verschiedenen Schreibweisen, WT, WC, VT, VC, WTEO, WTz und noch viele mehr. Eigentlich handelt es sich immer um „Wing Chun“, so werden alle Stile ausgesprochen, ich meinte jetzt also nicht explizit den WC-Stil.
Wing Tsun hat sich niemals irgendwelchen versportlichten Wettkampfregeln und Normen unterworfen. Wie man Wing Tsun genau definiert, da gibt es viele verschiedene Darstellungen. Grob gesagt liebt es kurze und sehr direkte Wege. Es kämpft nicht mit einer Technik sondern greift im Kampf unentwegt an. Es setzt einem stärkeren Gegner nicht die eigene Kraft entgegen, sondern es versucht von vornherein dessen Ausführung seiner Techniken zu behindern und fängt diese weich auf und führt sie nur durch „Kontakt halten und Deckung der eigenen Mittellinie“ an sich vorbei, während man selbst den Gegner auch bei der Abwehr wieder unentwegt angreift. Ein wichtiger Teil des Wing Tsun ist das Chi Sao, dass Training der klebenden Arme. Hier lernt man am Gegner und dessen Armen kleben zu bleiben und durch taktile Reflexe seine Angriffe unwirksam zu machen. Man kann so seine Kraft gegen ihn selbst zu wenden und sich selbst den Weg für die eigenen Angriffe frei machen. Wing Tsun will reine chinesische Kampfkunst unverfälscht praktizieren und strebt neben diesem Aspekt noch Selbstverteidigung total an. Wing Tsun will einfach nur bei jeder Bewegung gnadenlos effektiv sein. Die verschiedenen Stile haben ihren Unterricht mittlerweile in einem systematischen Prüfungsprogramm gestaffelt. Um weiter zu kommen sind Lehrgänge und Privatstunden beim Lehrer eigentlich unerlässlich. Neben den monatlichen Trainingsgebühren fallen dafür also auch Kosten an, dass sollte man wissen. Der größte und organisierteste Verband war die EWTO, sie ist es vielleicht immer noch, dass kann ich nicht sicher sagen. Letzten Endes muss man in der jeweiligen Schule mit dem jeweiligen Lehrer zurecht kommen. Die Verbände versuchen in den zugehörigen Schulen zwar einen einheitlichen Level zu halten, aber selbstverständlich gibt es Unterschiede. Wing Tsun ist trotz seiner logischen und wohl durchdachten Methode trotzdem nicht jedermanns Sache. Das hat auch nichts mit Kampfsport und Kampfkunst zu tun, es geht darum welche Neigungen man als Individuum hat. Es ist ein explizit südchinesischer Kampfstil mit allen Facetten die man den Stilen des chinesischen Südens so zuschreibt. Manch einer mag seine Erfüllung in anderen Stilen und Systemen finden. Allerdings bietet Wing Tsun viel, sehr viel Wissenswertes für Selbstverteidigung, gerade gegen stärkere, und/oder größere Gegner. Vielleicht mag man nicht direkt die Kampfkunst Wing Tsun lernen, aber Wing Tsun bot oft spezielle SV-Programme für Vertreter anderer Stile an. Da lernte man vor allem die Prinzipien und die Vorgehensweise des Wing Tsun und konnte dies gut für den eigenen Stil übernehmen. Vor allem wenn im eigenen Stil das Kämpfen nur nach Wettkampfregeln trainiert wird. Für den Aspekt der Selbstverteidigung ist es definitiv interessant.
Aber wie schon in den vorherigen Kommentaren sage auch ich, hingehen und ausprobieren. dann kann man sich seine Meinung bilden.

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