Welcher Kampfsport nützt eher?

schlaeger-boxen-boxer (3)Hey Leute, ich möchte demnächst zum Kampfsportunterricht gehen um zu lernen wie man sich gut in Straßensituationen wehrt und verteidigt. Kung Fu, Wing Tsun oder Mixed Martial Arts? Ich habe über Mixed Martial Arts gelesen das dort verschiedene Kampfsportarten gemischt werden. Wäre so etwas hilfreich in einer Straßensituation oder eher Kung Fu oder Wing Tsun? Jede der von Dir genannten Kampfsportarten ermöglicht es Dir, Dich nach ausreichendem Training im Ernstfall zu verteidigen. Aus meiner Sicht ist keine der genannten Kampfsportarten besser oder schlechter als die andere. Jede ist gleich gut geeignet. Nicht die Kampfsportart macht Dich besser, sondern das was Du aus den Techniken der jeweiligen Kampfsportart machst, wie sehr Du es verstehst die Techniken der Kampfsport im Ernstfall einzusetzen. Wenn Du meinst, dass, nur weil eine Kampfsportart Elemente vieler anderer Kampfsportarten beinhaltet, diese besser sei als andere, so gebe ich eines zu bedenken: Die Menschen üben seit tausenden von Jahren Kampfkünste. Sie haben immer danach gestrebt, die beste und effektivste Form des Kampfes zu entwickeln. Die Tatsache, dass es heute mehr Kampfsportarten gibt denn je und noch immer neue Kampfsportarten entwickelt werden, die angeblich noch besser sind als alles bisher Dagewesene, so spricht dies doch eher dafür, dass es eben keine effektivste, keine beste Kampfkunst gibt. Sicher gibt es Kampfsportarten und Kampfkünste die primär auf Selbstverteidigung gerichtet sind und daher schneller erste Erfolge sichtbar werden lassen. Da wäre insbesondere Wing Tsun zu nennen. Doch andererseits darf auch nicht vergessen werden, dass anfängliche Erfolge durch leicht erlernbare Konzepte sich meist gegen intensiv geübte und antrainierte Techniken nicht behaupten können. Das soll nun nicht heißen, dass Wing Tsun ungeeignet sei. Im Gegenteil! Jedoch kommt es im Ernstfall vor allem darauf an, einen kühlen Kopf zu bewahren. Was im Training funktioniert, muss im Ernstfall noch lange nicht wirksam sein. Ich empfehle Dir: Probiere alles aus. Gehe hin, mache bei einem Probetraining mit und bleibe dann dort, wo es Dir gefällt. Abschließend vielleicht noch ein persönliches Wort von mir: Ich habe auch einmal mit Kampfsport angefangen, weil ich lernen wollte mich zu verteidigen. Ich habe rasch erkennen müssen, dass das Erlernen einer Kampfsportart wegen der Selbstverteidigung nicht wirklich vielversprechend ist. Jedoch hat die Kampfkunst mein ganzes Leben verändert und mir weit mehr gegeben, als ich je zu hoffen gewagt habe. Heute weiß ich, dass ich im Ernstfall verteidigen könnte, doch das ist mir zwischenzeitlich sogar egal geworden.
geschrieben von: sascha am: 6.03.2013
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Kommentare

-Ja Wing Tsun ist eine gute „Sportart“ zum Erlernen der Selbstverteidigung – aber lass Dich nie auf ein Gerangel auf ’ner Treppe ein ;-)
– Was wohl als bahnbrechend in Sachen moderner Selbstverteidigung anzusehen ist, ist Krav Maga – !ABER! Der Begriff ist nicht geschützt! Für 60 € gibt’s das Instructor-rundrum-sorglos-Paket auf’m grauen Markt.
Da muss man schon gaaanz genau hinschauen, um einenwirklich befähigten Lehrer zu finden.

Ich kam über das Shotokan-Karate (-damals war das noch viel umfangreicher von den Techniken! – ist leider zumeist zum reinen Sport-Karate geworden.), zum Bujinkan-Budo-Taijutsu. Für die „Ernstfälle“, die ich in meinem recht langen Privatleben zu meistern hatte, war Karate zumeist einfach zu hart. Da ist Bujinkan (Ninjutsu) sehr viel umfangreicher und flexibler in den Techniken. Ein Bujinkan-Shidoshi oder Shidoshi-Ho (Trainer), hat auf jeden Fall ein ausreichendes Knoff-Hoff, um Dir wirksame Techniken für fast jede Gelegenheit an die Hand geben zu können – bei fleißigem Training – ist klar!

Die Ausführungen über die Prägung des eigenen Lebens durch die Kampfkunst, kann ich uneingeschränkt bestätigen – das trifft aber auch auf andere, westliche Kampfkünste (kenne eine Menge Boxer!) zu. Meine Erfahrung sagt: Kampfkunst-Ausübende sind zumeist ruhiger und positiver vom Wesen – die können eben im Training die Birne frei bekommen und lernen sich besser zu konzentrieren. – Mal drüber nachdenken, ob das so unwahr ist.

Jede Form der Kampfkunst bietet gute Möglichkeiten der Selbstverteidigung, es sei denn sie legt das ganze Training nur zur Anwendung auf Meisterschaften aus. Das Problem vieler Schulen und Vereine ist die Versportlichung der Kampfkunst. Ich will damit nicht sagen das man nicht fit, stark und gelenkig werden soll, dass ist in jedem Fall erwünscht, aber die ganzen praktischen Anwendungen dienen oft nur dem Einsatz bei Turnieren mit festgelegten Regeln. Stile wie Wing Tsun(WT, WC, VT, VC, WTeo, WTz, Jue Yen und welche Schreibweisen auch immer es noch gibt) und Krav Maga beschäftigen sich in der Tat sehr intensiv mit Selbstverteidigung, frei von Regeln!, sind aber nicht unbedingt jedermanns Sache. Auch die Qualität und Art der Lehrer kann sehr unterschiedlich sein. Weder ist Wing Chun(wie auch immer geschrieben) immer gleich Wing Chun, noch ist Krav Maga immer gleich Krav Maga. Auch nicht innerhalb eines Verbandes. Auch Stile wie Mixed Martial Arts können Unterschiede aufweisen, obwohl das eine Kampfform ist, die eine möglichst umfangreiche universell anwendbare Kampftechnik anstrebt. Mein Rat: Finde heraus welche Neigungen Du als Kämpfer hast, z.B. mehr Boxen, mehr Treten und Boxen, vielleicht eher Ringen oder sonst einen Stil mit viel Grappling und Kampf auf dem Boden? Knie- und Ellenbogentechniken? Logisch durchdachte Kampftechniken, die die Kraft des Gegners gegen ihn selbst benutzen? Da wären wir wieder bei Wing Tsun. Besuche unterschiedliche Schulen und Vereine und bitte um Probetraining, ruhig auch mehrmals. Achte auf den Lehrer und die Leute, fühlst Du Dich da wohl? Kannst Du Dir vorstellen da zu bleiben und dauerhaft zu trainieren? In der Regel fühlt man sich sehr schnell zu etwas hingezogen. Der Spirit, die Art des Umganges miteinander, dass was da trainiert wird, all das zieht einen meist unwiderstehlich an. Das mußt Du heraus finden. Und ich muß meinem Vor-Kommentator „Gaijin-San“ recht geben, damals waren viele Stile genau wie sein Shotokan auf viel mehr reale Anwendung bedacht und lehrten viel direkter Selbstverteidigung. Ich selber komme aus dem alten klassischen Taekwon-Do, nein, nicht das olympische System. Es ist dem Karate viel ähnlicher gewesen und hatte Selbstverteidigung auch in den Programmen für Prüfungen. Gleichzeitig trainierte man kämpfen auch im Kickboxen. Es war sehr flexibel und umfangreich und hatte, wer hätte das gedacht?-Handtechniken, oh ja! Wing Tsun trainierte ich in all den Jahren auch sehr viel und kam auch von diesem Stil nicht mehr los. Beide Sachen trainiere und pflege ich auch heute noch sehr intensiv, so wie damals gelernt. Und nach wie vor arbeite ich gerne mit Leuten aus diesem Bereich, aber auch mit Vertretern des japanischen Karate trainiere ich leidenschaftlich gerne und fühle mich bei denen „zu Hause“. Wenn Du Deins!-Deinen Stil gefunden hast, dann bilde Dich in Kursen für Selbstverteidigung weiter. Natürlich lernst Du Deinen Stil mit allen seinen Facetten, mit allem was dazu gehört und versuchst so gut wie möglich darin zu werden. Aber lerne auch von Leuten/Stilen Selbstverteidigung, die Deinen Stil vielleicht nicht mögen oder sogar in Frage stellen. Stell Dich unangenehmen Thesen, wenn sie richtig sind wirst Du dabei lernen. Wie sagte mal einer meiner Lehrer im Wing Chun: „Es gibt keinen Stil der Dir beibringt was Du tun mußt, wenn Dir einer von hinten eine Bierflasche über den Kopf hauen will. Du kannst nur trainieren und -hoffentlich!- richtig reagieren und den Kampf so gut wie möglich gewinnen. Möglichst so unverletzt es nur geht.“ Also, Stil finden, vielleicht auch zwei, trainieren und dann alles über Selbstverteidigung lernen was möglich ist. Wer weiß, vielleicht trainierst Du ja gute und effektive Selbstverteidigung schon allein in Deinem Stil? Vielleicht brauchst Du gar keine Kurse? Finde es heraus!

Frank, das war ein enorm fundierter Beitrag von Dir. Du hast so ganz nebenbei auch das Wichtigste herausgearbeitet, was ich gern nocheinmal herauszitieren möchte:
„Achte auf den Lehrer und die Leute, fühlst Du Dich da wohl? Kannst Du Dir vorstellen da zu bleiben und dauerhaft zu trainieren? In der Regel fühlt man sich sehr schnell zu etwas hingezogen. Der Spirit, die Art des Umganges miteinander, dass was da trainiert wird, all das zieht einen meist unwiderstehlich an. Das mußt DU heraus finden.“
Das DU ist das Individuelle – Du musst zum Training wollen – und nicht müssen.
Nur dann kannst Du auch den geistigen Nährwert aus der Kampfkunst ziehen. Leider wirst Du dabei, auch die von uns oben gaanz vorsichtig angesprochenen „Blender“ treffen. Lass Dir Zeit, das Richtige für DICH zu finden. Patentrezepte gibt es da leider nicht.
Ich denke der Frank Brauckmann (obwohl mir nicht persönlich bekannt) und ich, hatten damals noch nicht so viel Qual bei der Wahl, da es einfach noch nicht solch eine Vielfalt an Stilrichtungen in Deutschland gab.
Leider ist es heute oft so, dass jemand, der sich in diversen Stilrichtungen versucht hat, dort aber überall gescheitert ist, einen neuen ultimativen Stil ausdenkt ;) =>Unübersichtlichkeit des Angebots und „schwarze Schafe“. Das muss ich leider aus Erfahrung so sagen.
Oft kann man schon sagen, jemand der regelmäßig bis oft externe Schulungen/Lehrgänge/Seminare besucht, hat nichts zu verbergen. Ist aber nur ein grober Anhaltspunkt, als Tipp eines kämpfenden Seniors ;)

Stimmt, die Wahl der Qual hatten wir insgesamt weniger, auch wenn es viele Stile schon gab. Wing Tsun war noch nicht dicht gesät , Krav Maga kannte kaum einer und Mixed Martial Arts? Den Begriff gab es damals noch gar nicht. Aber wenn unterschiedliche Stilisten Sparring miteinander machten, kämpften, dann landete man schon mal auf dem Boden, musste Techniken benutzen die im eigenen (Wettkampf-)System gar nicht trainiert wurden. Das Taekwon-Do/Taekwondo war damals vielseitiger. Es gab sowohl das olympische System, so wie man es heute eigentlich nur noch als TKD kennt und es gab das vielseitigere klassische System.
Und ja, schwarze Schafe im Kampfsport, die können einem die Freude am ganzen Kampfsport reichlich vergällen.
Und externe Schulungen/Lehrgänge sind nichts was man verbergen sollte. Wer an richtiger SV interessiert ist, der sollte seinem Stil alles hinzufügen was gut funktioniert.
Es bringt viele Erkenntnisse über den eigenen Stil, die eigenen Fähigkeiten als Kämpfer.
In einer Situation in der ich mich ernsthaft meiner Haut wehren muss, da gibt es kein Karate, Taekwon-Do, Kung Fu und was auch immer. Das sind nur Namen. Es gibt nur mich und meinen Gegner, meine Niederlage oder meinen Sieg. Bei einem wahren Kampf merkt man schnell was Bruce Lee meinte als er sagte: „Echten Kampf in ein System fixieren zu wollen ist wie Wasser verpacken zu wollen, nur um ihm eine Form zu geben:“
Tu das was Du kannst und vor allem tu was funktioniert und was Dir ermöglicht so heile wie möglich nach Hause zu gehen.
Das ist das wahre Wesen der Kampfkünste. Wenn Du das hinbekommst dann kann das was Du trainierst nicht total verkehrt sein. Und wenn Du das durch einen eigenen Stil hinbekommst, dann ist er es wert trainiert zu werden.

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