Wie wird man ein guter Trainer?

Viele trainieren Kampfsport doch wenige unterrichten Kampfsport. Noch weniger aber sind als Trainer und Lehrer erfolgreich. Was macht einen guten Lehrer aus? Wie wird man ein guter und erfolgreicher Trainer?

Wer kennt das nicht: eine Technik will einfach nicht gelingen oder in der Schule haben wir ein Problem nicht verstanden … Da kommt ein anderer Lehrer und erklärt genau das gleiche Problem und was dem anderen Lehrer über Tage, Wochen und Monate nicht gelang, hat man plötzlich von Augenblick auf den anderen verstanden.

Woran liegt das?

Manche Menschen scheinen die Gabe zu besitzen, andere in ihren Bann zu ziehen. Sie können auf andere zugehen. Ihre Erklärungen sind einfach, klar und verständlich und mehr noch, sie erfassen das eigentliche Problem.

Viele Trainer korrigieren Äußerlichkeiten statt den Kern des Problems zu erfassen. Ganz klar, wenn man bei einer Krankheit nur die Symptome behandelt, nicht jedoch die Krankheit selbst, kann man den Kranken nicht heilen. Das ist auch bei einem Lehrer nicht anders. Wer ein Detail der Technik korrigiert, aber nicht erkennt, dass dieses Detail nur das Resultat eines anderen Fehlers ist, wird niemals Erfolg haben. Das Fatale an der Geschichte ist, dass nicht nur der Lehrer keinen Erfolg hat sondern auch der Schüler selbst letztlich an sich zweifeln wird und womöglich sogar ganz aufgeben wird. Hier hat aber nicht der Schüler sondern der Lehrer versagt.

Ein guter Lehrer braucht daher zunächst selbst ein vertieftes Verständnis der Techniken, die er zu unterrichten beabsichtigt. Davon ausgehend kann er anderen die Technik erklären.

Besonders wichtig ist die Fähigkeit, zu beobachten und zuhören zu können. Das sind die Grundvoraussetzungen für eine erfolgreiche Fehleranalyse und Fehlerkorrektur. Häufig werden dem Lehrer Probleme gezeigt oder beschrieben. Hier ist es wichtig, dass der Lehrer das Problem im Kern erfasst und sich eben gerade nicht mit diversen Äußerlichkeiten aufhält und von diesen ablenken lässt.

Sehr wichtig ist darüber hinaus die Geduld. Ein guter Lehrer darf nicht müde werden, das gleiche Problem immer und immer wieder zu erklären. Nur wenn ihm dies gelingt, ist er wirklich ein Lehrer. Die Geduld ist eine sehr wichtige Eigenschaft, die ebenfalls sehr viel Kraft kostet. Es ist nämlich alles andere als einfach, ein und dasselbe Problem immer und immer wieder zu erklären ohne sich dabei anmerken zu lassen, dass man der Meinung ist, das Problem doch eigentlich bereits oft genug erklärt und den Fehler häufig genug korrigiert zu haben. Wenn es noch Fragen gibt oder die Techniken trotz Korrektur noch immer fehlerhaft sind, dann hat wohl ganz offensichtlich etwas mit den Erklärungen nicht gestimmt. Der Lehrer sollte daher seine Erklärung überdenken und eine andere Herangehensweise wählen.

Ein guter Lehrer muss in der Lage sein, ein Problem auf viele verschiedene Weisen zu erklären. Dabei ist darüberhinaus zu berücksichtigen, dass Kinder andere Erklärungen brauchen als Jugendliche und bei Erwachsenen eine andere Herangehensweise angezeigt ist als bei Senioren. Der Lehrer muss also nicht nur mit seinen Erklärungen flexibel sein sondern muss ferner auch innerhalb der Altersgruppen auf verschiedene Methoden zurückgreifen können, um überhaupt erfolgreich sein zu können.

Wichtig dabei ist, dass der Lehrer für seine Erklärungen auch immer die richtigen Worte wählt. Ein bekannter und sehr treffender Ausspruch eines von mir sehr geschätzten Karatemeisters, Safar Sensei, ist immer: „Sage was du meinst und tue was du sagst.“ Häufig sagen Menschen das Eine und meinen das Andere. Nicht weniger selten machen sie auf einen zu vermeidenden Fehler aufmerksam und begehen dann in ihrer eigenen Demonstration genau diesen Fehler. Deshalb sollte man immer sagen, was man meint und das tun, was man sagt.

Eine nahezu unerschöpfliche Quelle für Unterrichtsmethoden sind die Schüler selbst. Ein guter Lehrer wird aus den Fehlern seiner Schüler lernen. Machen seine Schüler Fehler, so ist eine der Hauptursachen eine falsche oder unzureichende Erklärung. Der Lehrer wird also seine eigene Methode überdenken und ändern müssen, um diese Fehlerquellen künftig zu vermeiden.

Eine Unterrichtsmethode die Fehler gar nicht erst aufkommen lässt ist dabei sehr wichtig. Zumindest ebenso wichtig ist dabei die Fähigkeit, keine Langeweile aufkommen zu lassen. Es ist die Kunst des guten Lehrers den Schüler über viele Stunden mit der gleichen Problemstellung zu beschäftigen, ohne dass die Schüler dies bemerken. Jede Technik kann auf viele verschiedene Arten trainiert werden.

Der Lehrer sollte sich aus verschiedenen Gründen heraus nicht auf eine Methode beschränken. Durch einen abwechslungsreichen Unterrichtsstil macht er das Training interessanter und lässt vor allem keine Langeweile aufkommen. Außerdem erreicht er mit verschiedenen Methoden mehr Schüler. Jeder hat andere Vorlieben und jeder Schüler spricht auf eine andere Erklärung besser an.

Im Training muss der Lehrer seinen Schülern Kraft geben. Ein müde wirkender, übernächtigter oder krank und schlapp erscheinender Lehrer ist seinen Schülern keine Hilfe. Wie soll er sie zu noch mehr Anstrengung anspornen, wenn er sich selbst kaum noch auf den Beinen halten kann? Umgekehrt schöpft der Lehrer aber Kraft aus seinen Schülern. So wie diese sich mehr und mehr anstrengen, über sich hinauswachsen, wächst auch die Kraft des Lehrers. Eine des Trainings müde, unmotivierte Schülerschar lässt auch den enthusiastischsten Lehrer früher oder später resignieren.

Ein guter Lehrer ist noch nie vom Himmel gefallen. Ein guter Lehrer wird man im Laufe der Zeit. Einigen wird es leichter fallen weil sie bereits einige wichtige Eigenschaften mitbringen, anderen schwerer und wieder anderen wird es nie vergönnt sein, ein guter Lehrer zu werden.

Geduldig immer und immer wieder erklären zu können und dabei verschiedenste Mittel und Methoden einzusetzen, die Schüler zu Höchstleistungen anzuspornen und ihnen immer wieder Mut zuzusprechen, dass sind die wohl wichtigsten Eigenschaften eines guten Lehrers.

geschrieben von: sascha am: 19.12.2012
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Kommentare

„Ich kann mich manchmal nicht durchsetzen, es dauert viel zu lange, bis die Schüler zuhören., Schüler begegnen mir und Mitschülern respektlos, distanzlos, sie gehorchen nicht, reagieren nicht oder zu langsam auf Anweisungen und Aufträge …“Natürlich gab und gibt es Lehrer, die sich im Unterricht „Respekt“ verschaffen, indem sie ein Klima der Angst und Unterdrückung erzeugen, wie z.B. in dem in der Presse ausführlich berichteten Fall einer Realschule, in der Sechsen wie am Fließband bereits für das geringste Fehlverhalten verteilt wurden.

Ich kann falsch liegen, doch geht es in dem
Beitrag nicht darum wie man ein guter Trainer wird?!
Es ist nie zuspät das zu werden was man sein möchte.
Darüber wie ein Trainer sein sollte, kann man sich streiten. Es jedem recht zutun ist eine Kunst die niemand kann, daher gibt es keine Schablone wo man nun eine Person hineinpresst und heraus kommt ein super spitzen Trainer.
Liebling aller und Freund von jedem.
Der Text oben, sagt schon alles aus. Alles andere sollte man selbst ändern, sofern es geändert werden soll.Wenn Schüler dem Trainer als auch anderen Kamaraden respektlos gegenüber treten sollte mal ein klärendes Gespräch darüber geführt werden was es heißt Karate in einem Verein zu Trainieren.
Tip meiner seits: Hilfreich dahin gehend mal die Dojokun detailiert auseinander zunehmen und in einer Trainingseinheit mit einzubauen.

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